https://www.faz.net/-gpf-u60o

Valdas Adamkus : Eine Zukunft in Freiheit

  • Aktualisiert am

Die Isolation, in die Litauen fünf Jahrzehnte lang gezwungen wurde, hat uns daran gehindert, von Beginn an teilzuhaben an der europäischen Integration. Dennoch haben wir uns den Glauben an die Werte Europas stets erhalten - wie auch ...

          2 Min.

          Die Isolation, in die Litauen fünf Jahrzehnte lang gezwungen wurde, hat uns daran gehindert, von Beginn an teilzuhaben an der europäischen Integration. Dennoch haben wir uns den Glauben an die Werte Europas stets erhalten - wie auch unsere Hoffnung, eines Tages in die europäische Familie der Nationen zurückzukehren. Die Römischen Verträge haben nicht nur die Voraussetzungen geschaffen, die nötig waren, um dem Kontinent Einheit und Solidarität zu bringen; sie haben mehr Nationen, als das damals jemand hätte vorhersehen können, die Chance auf eine Zukunft in Freiheit gegeben. Eine dieser Nationen war Litauen.

          Heute ist Europa wiedervereinigt, und gemeinsam feiern wir den fünfzigsten Jahrestag des wichtigsten europäischen Projekts der Moderne. Während der vergangenen fünf Jahrzehnte hat Europa Frieden, Stabilität und Wohlstand genossen. Die Errungenschaften der EU sind beeindruckend. Der gemeinsame Markt, die gemeinsame Währung und die Schaffung eines Raums der Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit - sie alle haben ihren Wert und ihr Potential unter Beweis gestellt.

          Litauen war und bleibt den zentralen Grundsätzen und Werten der EU verpflichtet. Wir wollen, dass die Union in der Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts eine Führungsrolle spielt. Deshalb brauchen wir eine stärkere, demokratischere und effizientere Gemeinschaft. Wir brauchen eine EU, die in der Lage ist, die Wünsche ihrer Bürger zu befriedigen, und bereit, die Herausforderungen zu bestehen, denen wir uns gegenübersehen. Um das zu erreichen, muss ein gut funktionierender und integrierter Binnenmarkt für die EU Priorität haben. Außerdem muss Europa weiter daran arbeiten, die verbliebenen Beschränkungen der vier grundlegenden Freiheiten - besonders für Dienstleistungen und Personen - zu beseitigen; es muss größere Anstrengungen unternehmen, eine eine gemeinsame Energiepolitik zu formulieren, die auf Solidarität gründet und bei der die EU mit einer Stimme spricht; und es muss den Geltungsbereich des Schengen-Abkommens wie auch die Eurozone vergrößern.

          Litauen war der erste Mitgliedstaat, der den Verfassungsvertrag ratifiziert hat. Wir befürworten auch weiterhin den vereinbarten Text. Er stellt den besten denkbaren Kompromiss der Interessen dar; wir wollen, dass die Substanz des Vertrages erhalten bleibt. Wir glauben, dass die "Berliner Erklärung" den Weg ebnen wird für eine Einigung in der Verfassungsfrage.

          Die EU ist inzwischen einer der wichtigsten Akteure auf der Weltbühne und übt auf viele Nachbarstaaten große Anziehungskraft aus. Sie ist ein Vorbild, dem andere Regionen nacheifern sollten. Doch wird Europa niemals wahrhaft vereint sein, wenn wir es nicht schaffen, unsere Nachbarn näher an die EU heranzubringen. In der Nachbarschaftspolitik sollte sich ein Europa präsentieren, das stark und aufgeschlossen ist. Wir müssen die transformierende Kraft der Union nutzen und auch weiterhin Stabilität und Sicherheit jenseits der Grenzen der Gemeinschaft fördern.

          Niemals zuvor hatten wir so viele Chancen, zusammenzuarbeiten. Lassen Sie uns also die Vision, die die Gründerväter vor 50 Jahren entwickelten, zur Wirklichkeit machen: die Vision einer Gemeinschaft von Staaten und Werten, einander verbunden durch den Geist der Solidarität und Offenheit; einer Gemeinschaft, die mit einer Stimme zum Rest der Welt spricht; einer Gemeinschaft, die zugänglich und transparent ist - eine Gemeinschaft, die die EU-Bürger und die Welt brauchen.

          Präsident von Litauen

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.