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Folgen des EU-Austritt : Die seltsame Ruhe nach dem Brexit

Mit der Sonne kehrt in London auch die Konsumlaune zurück. Immerhin 29 Prozent der Briten erwarten vom Brexit einen positiven wirtschaftlichen Effekt. Bild: Bloomberg

Sechs Wochen nach der „Brexit“-Entscheidung hat das Vereinigte Königreich zu einer unerwarteten, fast gespenstischen Ruhe gefunden. Doch es gibt noch viele Fragen zu klären.

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          Sechs Wochen nach der „Brexit“-Entscheidung hat das Vereinigte Königreich zu einer unerwarteten, fast gespenstischen Ruhe gefunden. Nichts weist auf einen Ausnahmezustand hin oder auch nur auf größere politische Beunruhigung. Die neue konservative Regierung steht und erzielt die höchsten Umfragewerte seit Jahren. Das Parlament befindet sich planmäßig in der Sommerpause, und niemand sieht einen Grund, die Abgeordneten (wie in den vergangenen Jahren) für Sondersitzungen aus dem Urlaub zurückzurufen. Die Briten blicken nicht nach London oder Brüssel, sondern nach Rio de Janeiro, wo die Olympioniken von der Insel ihren Medaillen-Erfolg von 2012 wiederholen wollen.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Klar, es ist Sommer. Aber das Tempo, mit dem die Nation nach Wochen höchster Konvulsion in einen Ferienzustand gefallen ist, gibt doch zu denken. Ist der Ausstieg aus der EU womöglich doch nicht so „historisch“, wie es allenthalben hieß? Hat das Lager der Brexiteers den Remainers am Ende zu Recht vorgeworfen, im Referendumswahlkampf „Angstmache“ verbreitet zu haben? Für eine seriöse Bilanz ist es eineinhalb Monate nach der Volksabstimmung zu früh; dafür sind die mittel- und langfristigen Konsequenzen eines Brexit zu schwer abzuschätzen. Vorübergehend lässt sich aber festhalten, dass in Großbritannien keine Panikstimmung ausgebrochen ist.

          Eine Frage des Betrachtungswinkels

          Die Folge des Brexit-Entscheids für die Wirtschaft - eines der zentralen Schlachtfelder im Referendumswahlkampf - ist zu einer Frage des Betrachtungswinkels geworden. Jene, die vor dem Austritt aus der Europäischen Union gewarnt haben, sehen düstere Vorzeichen. Sie zitieren Unternehmensführer, die ihre Investitionen eingefroren haben, bis das Ergebnis der Austrittsverhandlungen vorliegt. Sie verweisen auf Berechnungen, denen zufolge das Wirtschaftswachstum sinken wird. Als Zentralbankchef Mark Carney in der vergangenen Woche den Zinssatz auf einen historischen Tiefstand senkte, titelte die (europafreundliche) „Financial Times“, dass er damit den „Brexit-Abschwung“ abfedern wolle.

          Auf der anderen Seite des Spektrums spricht man von einem „Brexit-Boom“, den die Zentralbank stimulieren helfe. „In einem Jahr“, schrieb der „Spectator“, der für den Abschied von Brüssel geworben hatte, „wird das Wachstum im Königreich weit vor dem Rest Europas liegen, und selbst unsere Exporte in den Rest des Kontinents werden nach oben geschnellt sein“.

          Die „Daily Mail“ und der „Daily Telegraph“ weisen unverdrossen darauf hin, dass die Aktienkurse seit dem Referendum gestiegen sind, die Arbeitslosigkeit einen Tiefstand erreicht hat und die Briten mehr einkaufen als im letzten Sommer. Auch das schwächer gewordene Pfund und die nachlassenden Preise für Häuser und Wohnungen werden als gute Nachrichten interpretiert. Laut Umfragen nimmt die Zuversicht der Briten zu. Die Zahl derer, die vom Brexit einen positiven Effekt für die Wirtschaft erwarten, lag vor dem Referendum bei 23 Prozent. Jetzt ist sie auf 29 Prozent gestiegen.

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