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Stresstest : EU sieht Probleme bei norddeutschen Kernkraftwerken

  • Aktualisiert am

Eine von sechs Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, von denen nur noch drei aktiv sind: das Kernkraftwerk Brokdorf Bild: dpa

Die EU-Kommission hat offiziell die Ergebnisse ihres Stresstest für Kernkraftwerke vorgelegt. Bei sechs Anlagen in Norddeutschland sehen die Fachleute Sicherheitslücken bei den Erdbebenwarnsystemen.

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          Bei den Kernkraftwerken in Norddeutschland sieht die Europäische Union in puncto Erdbebenwarnung Handlungsbedarf. Als Ergebnis eines EU-Stresstests empfahlen die Experten am Donnerstag in Brüssel, in den Anlagen Erdbebenwarnsysteme zu installieren. Insgesamt bemängeln die Fachleute sechs Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, von denen nur noch Brokdorf, Emsland und Grohnde aktiv sind. Auf dem Prüfstand standen in Deutschland zwölf Standorte mit 17 Reaktoren.

          Die Betreiber müssten nach Ansicht der EU-Kommission nachrüsten - vorschreiben kann Brüssel dies aber nicht. Für die gesamte EU schätzen die Experten die Nachrüstungskosten für alle aktiven Meiler auf 10 bis 25 Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Frankreich, das besonders viel Strom aus Atomkraft erzeugt. Der Test deckte bei französischen Kernkraftwerken zahlreiche Mängel auf.

          Trotz Sicherheitsmängeln an fast allen Kernkraftwerken muss aus Sicht der EU-Kommission kein einziger Kernreaktor in Europa vom Netz. Es gebe „keine technischen Gründe für ein Abschalten, allerdings sind fast überall Nachbesserungen notwendig“, lautete die am Donnerstag vorgestellte Bilanz der Sicherheitschecks, die die EU in den letzten anderthalb Jahren durchgeführt hat. Auch bei allen zwölf deutschen Reaktoren sehen die Experten Handlungsbedarf: So seien die Richtlinien für das Management bei schweren Unfällen nicht umfassend genug. Außerdem werden zusätzliche Notfallzentren auf den Kraftwerksgeländen gefordert.

          Auch das Kernkraftwerk Grohnde im Kreis Hameln-Pyrmont stand auf dem Prüfstand

          Nach der offiziellen Vorstellung der Kommission sollen die Staaten bis Ende des Jahres Aktionspläne für die Behebung der Mängel aufstellen. Die Kommission will dann 2014 einen Bericht über die Verwirklichung vorlegen. Damit sie künftig auch rechtlich gegen säumige Staaten vorgehen kann, dringt die Behörde zudem auf neue Kompetenzen in der Überwachung der Atomkraftwerke. Die Tests hätten gezeigt, dass die Staaten die bestehenden Vorgaben zu unterschiedlich umsetzten und die nationalen Aufseher oft nicht die nötige Unabhängigkeit hätten, verlautete schon am Montag aus der EU-Behörde. Deshalb müsse die Kommission unmittelbar Einfluss auf die Überwachung der Kernkraftwerke in der EU nehmen können.

          Atomkraftgegner kritisieren die sogenannten Stresstests als völlig unzureichend. So sei die Bedrohung durch Terroranschläge oder das Alter der Reaktoren und damit die Gefahr von Rissen im Beton außer Acht gelassen worden, erklärte Greenpeace am Donnerstag. „Es gibt ernsthafte Risiken, die nicht untersucht wurden“, so Greenpeace-Sprecher Mark Breddy. „Die Regierungen müssen die ältesten und unsichersten Reaktoren schnell abschalten.“

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