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Schuldenstreit mit Athen : Warum Griechenland Reparationen leisten muss

Wie weit zurück reicht historische Schuld? Tempel der Athena Nike auf der Akropolis in Athen Bild: AFP

Wenn der griechische Regierungschef Tsipras meint, im Schuldenstreit noch Reparationsforderungen gegen Deutschland ins Feld führen zu können, liegt er falsch. Diese Frage ist seit 1990 geklärt.

          Die wieder einmal ins Spiel gebrachte Idee, deutsches Eigentum in Griechenland wegen Weltkriegsunrecht zu pfänden, ist abenteuerlich und unverschämt. Die Reparationsfrage ist geklärt – mit allen Staaten. Wenn der griechische Regierungschef Tsipras nun meint, nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 seien „die rechtlichen und politischen Bedingungen geschaffen, um diese Frage zu klären“, irrt er sich.

          Es ist genau anders herum: Seither sind diese Fragen abschließend geklärt. Der Zwei-plus-vier-Vertrag trug nicht umsonst den offiziellen Namen „Abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland“. Das war der Sache nach ein Friedensvertrag, auch wenn das sogar in Deutschland manche nicht wahrhaben wollen.

          Spätestens während jener Verhandlungen hätten etwaige Reparationsforderungen geltend gemacht werden müssen. Doch eigentlich waren sich alle einig, dass solche Forderungen – wegen zweifellos schrecklicher Massaker – in der heutigen europäischen Friedensordnung obsolet sind. Nicht nur die deutschen Gerichte, auch europäische und der Internationale Gerichtshof in Den Haag haben dieses Fass aus gutem Grund nicht wieder aufgemacht.

          Griechenland möge also auch hier nach Osteuropa schauen. Was hätten diese Staaten eigentlich für Ansprüche? Nimmt man Athen ernst, müsste auch Griechenland selbst, das so stolz auf Alexander den Großen ist, Forderungen wegen historischen Unrechts fürchten.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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