https://www.faz.net/-gpf-81z88

Bootsflüchtlinge : Schifffahrtbranche fordert Lösung für Rettungseinsätze

  • Aktualisiert am

Rettung, egal von wem: Flüchtlingsboot im Januar 2014 vor Lampedusa Bild: dpa

Die kommerzielle Schifffahrt schlägt Alarm: Immer öfter müssten Handelsschiffe hunderte Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten. Statt einer Lösung setze die EU offenbar darauf, dass sie ihrer Seenot-Verpflichtung nachkommen.

          Mehrere Reeder und Seemannsgewerkschaften haben an die Mitgliedsländer der EU appelliert, die unhaltbaren Zustände und die humanitäre Krise der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer gemeinsam zu lösen. Ohne zusätzliche Mittel für Rettungsaktionen sei der Verlust tausender Menschenleben zu befürchten, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben der europäischen und der Weltverbände von Reedern und Gewerkschaften an die 28 EU-Regierungen. Die Staaten müssten umgehend handeln und sich die finanzielle Last teilen, befinden die Reeder darin weiter.

          Im vergangenen Jahr hätten Handelsschiffe im Mittelmeer rund 40.000 Personen aus Seenot gerettet, in einigen Fällen 500 Schiffbrüchige bei einer einzigen Aktion. Für die Seeleute bedeute dies große Risiken, mit solchen Situationen umzugehen. Mehr als 3500 Personen seien 2014 nach Kenntnis der Unterzeichner ohne Rettung im Mittelmeer ertrunken. Wenn nichts unternommen werde, müsse man bald mit dramatisch höheren Zahlen rechnen – sowohl an Geretteten als auch an Ertrunkenen.

          Diese Krise befinde sich trotz großer Anstrengungen der Küstenwachen der Mittelmeer-Anrainerstaaten in einer „Spirale der Eskalation“ und drohe außer Kontrolle zu geraten. Die kommerzielle Schifffahrt stehe zu ihrer Verpflichtung durch das internationale Seerecht, Schiffbrüchigen zu helfen. Es sei aber unhaltbar und auch unakzeptabel, dass die internationale Gemeinschaft sich zunehmend darauf verlasse, dass die Handelsschiffe verstärkt Flüchtlinge in großer Zahl retten. Die Sache müsse mit dringlich oberster Priorität von den Staats- und Regierungschefs behandelt von werden, denn es gehe um Leben und Tod.

          Weitere Themen

          Johnson blitzt bei Juncker ab

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.

          Rebellion aus dem Hunsrück?

          Rheinland-pfälzische CDU : Rebellion aus dem Hunsrück?

          Eine vorgezogene Wahl und ein politischer Außenseiter: Warum ein gelernter Zahnarzt aus der rheinland-pfälzischen Provinz für den Fraktionsvorsitzenden der CDU zum Problem werden könnte.

          Topmeldungen

          Die saudische Ölraffinerie in Abqaiq nach dem Anschlag

          Attacken auf Ölanlagen : Der Krieg, in den Trump nicht ziehen will

          Der amerikanische Präsident bleibt nach den Attacken auf saudische Erdölanlagen zögerlich. Einen Schlag gegen Iran scheut Trump – und überlässt die Entscheidung über das weitere Vorgehen Riad.
          Oftmals dauert die Diagnostik im Krankenhaus im Falle einer Sepsis zu lange – was zum Tod des Patienten führen kann. (Symbolbild)

          Tödliche Infektion : Ein Kampf um jede Stunde

          An einer Sepsis sterben jedes Jahr zehntausende Menschen. Fachleute kritisieren, dass es in Deutschland noch keine nationale Strategie gibt, um mehr Menschen retten zu können.
          Bayern, nicht Boston: Der sogenannte Additive Campus von GE in Lichtenfels.

          Von Deutschland aus : General Electric macht im 3D-Druck Tempo

          Trotz Krise hält der Industriekonzern aus Amerika an der Zukunftstechnologie fest und eröffnet eine neue Fertigung – im bayerischen Lichtenfels. Dabei war die allgemeine Begeisterung schon größer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.