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Flüchtlingspolitik : Im Tunnel

Empfangskomitee: In Rosenheim durchsuchen zwei Polizeibeamte einen Flüchtling Bild: AFP

Die schiere Zahl der Asylbewerber überfordert die europäischen Zielländer. Es bedarf endlich einer gemeinsamen Antwort auf die Flüchtlingskrise.

          „Hier macht sich die junge Generation eines ganzen Kontinents auf den Weg.“ Dieser Kommentar galt den Asylbewerbern und Armutsflüchtlingen, die auf dem Bahnhof Rosenheim „in Empfang“ genommen werden. Was sich seit Monaten an der Kanalküste abspielt, rund um Calais am Eingang zum Eurotunnel, bestätigt die bayerische Beobachtung tausendfach. Jede Nacht versuchen Hunderte Afrikaner illegal durch den Tunnel, versteckt in Lastwagen und auf Güterzügen, nach Großbritannien zu gelangen, in der Erwartung, zumindest in der Hoffnung, dort leichter Asyl und bessere Lebensumstände zu finden. Die Zustände sind in jeder Hinsicht skandalös, sie sind gefährlich und unwürdig. Die Polizei scheint der Lage kaum noch gewachsen zu sein; dieser Kontrollverlust ist bedrückend.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Es ist klar, dass deshalb drastische Maßnahmen, von besonders Schrillen gar der Einsatz von Soldaten, gefordert werden. Den Migranten soll bedeutet werden, dass Großbritannien eben kein „sicherer Hafen“ sei. Asylbewerber, deren Antrag abgewiesen wurde, sollen rasch in ihre afrikanischen Heimatländer zurückgebracht werden. Die Erfahrung zeigt: Das ist leichter gesagt als getan; gelöst wird das immer größer werdende Problem so vermutlich nicht.

          Zu packen ist es zuallererst an der Wurzel, doch das sagt sich noch leichter: Die jungen Afrikaner wollen ihr Leben nicht in der Hoffnung zubringen, dass sich die Umstände in ihren Ländern allmählich verbessern; sie wollen weg und nehmen auf der Suche nach einem besseren Leben Gefahren und Entbehrungen in Kauf.

          Solange man nicht selbst betroffen ist...

          Die Motive dieser Migranten kann man gut verstehen. Aber ihre schiere Zahl überfordert Politik, Behörden und die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung der Zielländer, vor allem dann, wenn damit massenweise Asylmissbrauch verbunden ist. In Calais handelt es sich nicht (nur) um „Verkehrsstörungen“. Aber selbst die sowie die öffentliche Erregung zeigen, wie wichtig und dringlich eine enge britisch-französische Kooperation und eine europäische Antwort auf die Flüchtlingskrise sind.

          Es muss Schluss sein mit der gerade in London verbreiteten Haltung, die nichts dabei findet, wenn die Partner nicht mehr wissen, wie sie mit der Krise fertig werden sollen, solange man selbst nicht betroffen ist. Es bedarf einer fairen Flüchtlingspolitik in Europa und einer vernünftigen Praxis gegenüber illegaler Einwanderung. Versiegen wird der Flüchtlingsstrom aber auch so natürlich nicht.

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