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Russen in Limassol : Oligarchen und ihre Diener

Leben wie ein Russe in Limassol: Geschäftsleute entspannen mit Blick auf das Mittelmeer Bild: REUTERS

Nicht alle Russen auf Zypern sind reich, aber alle haben Angst um ihr Geld. Nur Herr Wolobojew nicht, denn sein Geld ist längst in London - wegen absehbarer „Unannehmlichkeiten“.

          8 Min.

          Oligarch, Oligarch, Oligarch - was heißt das schon? Herr Wolobojew kann mit dem Begriff nichts anfangen, selbst wenn er das Wort dreimal nacheinander ausspricht, so, als müsse er sich den Namen eines Menschen in Erinnerung rufen, dem er vor vielen Jahren einmal flüchtig begegnet ist.  Dabei redet derzeit ganz Europa von den russischen Oligarchen auf Zypern. Oligarchen, so heißt es, das seien schwerreiche Männer aus dem Osten, die es sich am Strand von Limassol gutgehen ließen, während zyprische Banken ihr Schwarzgeld aus Russland waschen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Sind die Erzählungen von der Geldwäsche nun Wahrheit oder Mythos? „Zur Hälfte sind sie wahr und zur Hälfte nicht“, sagt Alexej Wolobojew, um gleich im nächsten Satz seine eigene Statistik zu korrigieren: „Wissen Sie, siebzig Prozent der Russen, die hier auf Zypern ihr Geld haben, das sind Leute wie ich. Sie haben ihr Geld auf ehrliche Weise in Russland verdient und sind dann mit ihren Familien hierher übergesiedelt, weil sie in einem zivilisierten Land leben wollten. Das ist alles.“

          Aber wie ist ein Russe, der wie Alexej Wolobojew ist? Und wie sind die anderen dreißig Prozent? Auch wenn er selbst eine solche Formulierung gewiss nicht wählen würde, ließe sich Herr Wolobojew wohl am besten als mittelständischer Oligarch beschreiben.  In Limassol, der inoffiziellen Hauptstadt der russischen Kolonie Zyperns, gehören ihm unter anderem der Radiosender „Russkaja Wolna“ (Russische Welle) und das nach einem Kosakenhelden Nikolai Gogols benannte Restaurant „Taras Bulba“.

          Eine Handvoll Immobilien

          Außerdem besitzt Herr Wolobojew auf der Insel noch ein „winsawod“, wie er es nennt, eine „Weinfabrik“.  Sie stelle allerdings nur 120.000 Flaschen im Jahr her, sagt ihr Besitzer. Das Radio, der Wein, das Restaurant an der Strandpromenade von Limassol, das alles sei für ihn eher ein Hobby. Auf Zypern selbst könne man nämlich eigentlich kein Geld verdienen, der Markt sei zu klein. Der griechische Teil Zyperns hat schließlich nur 840.000 Einwohner. Im Großraum Moskau leben 15 Millionen Menschen.

          Das sind die Dimensionen, in denen es sich lohnt, über Geschäfte nachzudenken, was Alexej Wolobojew offenkundig recht erfolgreich getan hat. Er hält Anteile an mehreren Firmen, hat Bankkonten in London sowie eine Handvoll Immobilien - was man eben so braucht zum Leben. Außerdem ist Herr Wolobojew EU-Bürger. „Die zyprische Staatsbürgerschaft habe ich vor einigen Jahren bekommen, weil ich in diesem Land fünfzehn Millionen Euro investiert habe.“

          Keine schlechte Investition, denn der Preis für einen zyprischen Pass ist inzwischen gestiegen. Heute müsse zwanzig Millionen Euro investieren, wer Zyprer und damit EU-Europäer werden wolle. Außerdem dürfe man keine kriminelle Vergangenheit haben, berichtet Gospodin Wolobojew. Ist das denn in seinem Fall überprüft worden? „Ja, natürlich“, versichert der Neu-Zyprer.

          Alles wie in Moskau

          Nur einen Sprachtest musste er nicht bestehen, und das ist sein Glück, denn eine andere Sprache als Russisch spricht der Besitzer des „Taras Bulba“ zu Limassol auch nach acht Jahren auf Zypern recht eigentlich nicht. Er ist ein freundlicher, kluger Mensch, aber Fremdsprachen sind seine Sache nicht. Sie müssen es auch nicht sein, denn seine vier Kinder sprechen fließend Englisch. Die Wolobojews haben sich entschlossen, ihren Nachwuchs auf die britische Schule zu schicken.

          Es gibt zwar auch eine russische Schule in Limassol, doch die reichen Familien lassen ihre Kinder fast alle auf Englisch unterrichten. Griechisch können nur die wenigsten. Auch das „Taras Bulba“ ist fest in russischer Hand. Dass sich ein griechischer Zyprer hierher verirrt, kommt selten vor. Man spricht russisch, man isst Russisch, die Tischmanieren sind russisch, und in der Karaoke-Bar nebenan, die ebenfalls Herrn Wolobojew gehört, wird danach russisch gesungen.

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