https://www.faz.net/-gpf-u9gh

Romano Prodi : Die Reise fortsetzen

  • Aktualisiert am

Eine Verfassung wäre die Vollendung der europäischen Reise Bild: dpa

Am 25. März wird in Berlin eine Deklaration veröffentlicht zum Gedenken an 50 Jahre europäische Integration. Das ist ein Tag der Freude und der Verpflichtung. Ich hoffe, dass wir dieses Datum zum Anlass nehmen, um uns zu erinnern, nachzudenken und zu handeln - ein Tor in die Zukunft aufzustoßen.

          2 Min.

          Am 25. März wird in Berlin eine Deklaration veröffentlicht zum Gedenken an 50 Jahre europäische Integration. Das ist ein Tag der Freude und der Verpflichtung. Ich hoffe, dass wir dieses Datum zum Anlass nehmen, um uns zu erinnern, nachzudenken und zu handeln - ein Tor in die Zukunft aufzustoßen. Ich hoffe auch, dass es Europa helfen wird, seine Lähmung zu überwinden und einen Weg zu finden, den Prozess der europäischen Integration zu vollenden - dieses großartigste Projekt für Frieden und Wohlstand in der Moderne.

          Vor einem halben Jahrhundert überwand Europa in den Römischen Verträgen eine seiner schwersten Krisen: Drei Jahre zuvor war der Versuch, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft zu bilden, gescheitert. Heute hoffen wir, dass uns das gleiche gelingt, dass wir nach zwei schwierigen Jahren den europäischen Prozess wieder in Gang bringen. Ich bin sicher, dass wir am Ende Erfolg haben werden, denn die Geschichte unseres Kontinents lehrt uns, dass Europa seine Krisen noch immer gelöst hat und am Ende gestärkt aus jeder einzelnen hervorgegangen ist. Diese Lektion haben wir zum ersten Mal 1957 in Rom gelernt.

          Europa ist immer weniger eine Option unter vielen und immer mehr eine Notwendigkeit. Das gilt nicht nur für Italien, sondern für uns alle. Es hat seinen ursprünglichen Zweck erfüllt und dem Kontinent nach all den Brudermorden der Vergangenheit mehr als ein halbes Jahrhundert Frieden beschert. Doch gibt es auch keinen Zweifel, dass Europas nun, da es mit den Herausforderungen des neuen Jahrtausends konfrontiert ist, zögerlich erscheint, verunsichert, entscheidungsschwach. Es geht nicht nur um einen vermeintlichen oder realen Verlust an Motivation; es geht nicht nur darum, dass die treibende Kraft des Anfangs, die Schaffung von Frieden auf dem Kontinent, nun an ihr Ziel gekommen ist; es geht auch nicht nur darum, sich neue Ziele zu setzen, welche die Ideale und Werte jüngerer Generationen ansprechen können. Das Problem besteht darin, dass Europa nicht so funktioniert, wie es das sollte, dass es lahmgelegt ist von der Suche nach Konsens - während es zugleich bedrängt wird von internationalen Krisen, die nach sofortigem Handeln verlangen und nicht von einzelnen Ländern im Alleingang gemeistert werden können.

          Aus diesen Gründen ist es notwendig, den Verfassungsprozess wieder in Gang zu bringen - um eine Reise zu vollenden, die vor 50 Jahren begann. Das verlangt Engagement; es muss auf dem bisher Erreichten ebenso aufbauen wie auf jenem Dokument, das im Oktober 2004 in Rom unterzeichnet wurde; darauf hatte sich die Gemeinschaft nach langwierigen Verhandlungen geeinigt. Dieses Dokument lässt sich vereinfachen, falls das notwendig ist; dazu gehört aber nicht der Verzicht auf jene Bestimmungen, welche die europäische Maschine effizienter machen sollen. Kurz gesagt, wir müssen den Verfassungsprozess neu beginnen in dem Wissen, dass wir alle am Ende ein bisschen weniger, ein bisschen mehr oder etwas anderes haben werden als das, was jetzt in dem Text steht. Es wäre aber ein Fehler, diesen Prozess zu beginnen in der Annahme, an seinem Ende könnte etwas stehen, was sich von dem vorliegenden Vertrag völlig unterscheidet - einem Vertrag, der immerhin von 18 europäischen Ländern bereits ratifiziert worden ist.

          Ministerpräsident der Italienischen Republik

          Weitere Themen

          „Die Medien in diesem Land sind gefährlich“ Video-Seite öffnen

          Trump von Presse empört : „Die Medien in diesem Land sind gefährlich“

          Die Presse in den Vereinigten Staaten spekuliert nach einem nicht angekündigten Aufenthalt im Krankenhaus über den Gesundheitszustand Donald Trumps - sehr zum Ärger des Präsidenten. „Die Medien in diesem Land sind gefährlich und korrupt", sagt er.

          Topmeldungen

          Impeachment-Anhörungen : Trumps Schattendiplomat

          Gordon Sondland muss sich auf ein regelrechtes Verhör gefasst machen. Von dem amerikanischen Botschafter bei der EU erhoffen sich die Demokraten Aussagen, mit denen sie Donald Trump der Erpressung und Bestechung überführen können.

          Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

          Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.