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Flüchtlinge in Mazedonien : Wartesaal des Elends

Ein steter Strom von Menschen: Auf dem Bahnhof der mazedonischen Grenzstadt Gevgelija warten Flüchtlinge aus Griechenland auf einen Zug, der sie an die serbische Grenze bringen soll Bild: AFP

Syrer, Afghanen, Iraker, Pakistaner und Somalier durchqueren auf ihrem Weg nach Westeuropa Mazedonien. Aber was wird aus ihnen, wenn Ungarn und andere Länder ihre Grenzen schließen?

          Der mazedonische Abschnitt des europäischen Flüchtlingswanderwegs beginnt mit einer unsichtbaren Linie, die sich im rechten Winkel zu den Gleisen der Bahnlinie Thessaloniki-Skopje durch das sonnenverbrannte Gras zieht. Entlang dieser Linie stehen ordentlich aufgereiht etwa 20 Menschen in der prallen Mittagssonne und warten geduldig auf ein Zeichen des mazedonischen Polizisten, der in ein, zwei Metern Entfernung vor ihnen auf und ab schlendert. Die Linie ist die Grenze zwischen Mazedonien und Griechenland. Wo der Polizist hin und her geht, ist schon Mazedonien, wo die Flüchtlinge stehen, ist noch Griechenland.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Auf der griechischen Seite spendet eine kleine Baumgruppe ein wenig Schatten. Kein noch so kleiner Flecken davon ist ungenutzt, dicht gedrängt sitzen und liegen Wartende. Andere suchen neben niedrigen, verdorrten Büschen wenigstens eine Illusion von Schatten. Auf der mazedonischen Seite stehen neben einem Geländewagen der Grenzpolizei zwei verschwitzte Uniformierte.

          Sie deuten auf einen weißen Kastenwagen, der vielleicht 200 Meter von der Grenze entfernt in Griechenland unter einem Baum steht und ein mobiler Kiosk zu sein scheint. „Bis dorthin“, sagt einer der mazedonischen Grenzschützer, „bringen die Griechen die Flüchtlinge mit Bussen.“ – „Wer macht das?“ – „Die griechische Polizei.“

          Endlich gibt der Polizist der Gruppe an der Grenzlinie einen Wink. Schleppend machen sie sich auf den Weg. Vor ihnen liegt eine Stunde Fußmarsch entlang den Gleisen bis zum Bahnhof der mazedonischen Grenzstadt Gevgelija. Bewegung auch unter der Baumgruppe: Rasch erheben sich zwei Dutzend Menschen und stellen sich entlang der imaginären Linie auf, um bei der nächsten Gruppe dabei zu sein, die nach Mazedonien gelassen wird. Ihre Plätze im Schatten sind gleich wieder belegt.

          Eine Passkontrolle gibt es hier auf dem freien Feld nicht. Die Polizei versucht nur, den Rhythmus der illegalen Einreise zu bestimmen, damit auf dem Bahnhof bei der Registrierung die Schlange nicht zu lang wird. Würden die Menschen einfach weitermarschieren, hätten die drei Mann keine Chance, sie daran zu hindern.

          Den ganzen Tag, vom frühen Morgen bis zum späten Abend und oft auch die Nacht hindurch, kommen in Gevgelija im Viertelstundentakt Flüchtlingsgruppen an: Manche bestehen aus jungen Männern, andere aus Familien mit kleinen Kindern – mit Dreijährigen, die selbst gehen müssen, während ihre kleineren Geschwister getragen werden. Manche der Frauen sind am Kopftuch als Musliminnen erkennbar, andere sind gekleidet wie durchschnittliche Europäerinnen. Es kommen Menschen an, die Rucksäcke, Schlafsäcke und Zelte auf dem Rücken tragen und solche, die ihr Hab und Gut in abgenutzten Plastiktüten transportieren.

          Die Glücklicheren haben Sportschuhe an den Füßen, aber viele quälen sich in Flipflops, Gummischlappen und auseinanderbrechenden Sandalen voran. „Das hier berührt mich mehr als andere Einsätze – dieser ständige Strom von Menschen. Man kann kaum helfen, es rinnt einem wie Wasser durch die Finger“, sagt eine Mitarbeiterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, die in Afrika und Asien schon viel erlebt hat.

          Flüchtlingszahl wird durch Zahl der vollen Zügen geschätzt

          Am Bahnhof informieren Plakate des Mazedonischen Roten Kreuzes auf Englisch, Französisch und Arabisch darüber, dass laut dem neuen „Gesetz über Asyl und zeitweiligen Schutz“ jeder Neuankömmling, der sich bei der Polizei registrieren lässt, 72 Stunden Zeit hat, das Land zu durchqueren oder einen Antrag auf Asyl zu stellen.

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