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Polens Präsident : Ein erklärter Deutschland-Freund

Andrzej Duda: „Mehr Nato-Präsenz“ Bild: dpa

Polens Präsident Andrzej Duda lobt vor seinem Besuch in Berlin die Kanzlerin für ihre Russland-Politik. Im Gespräch mit der F.A.Z. fordert er zugleich mehr Präsenz der Nato in seinem Land.

          Der Palast des polnischen Präsidenten in Warschau hat eine lange Geschichte – unter anderem ist er im 19. Jahrhundert, als Polen geteilt und zum Teil von Russland besetzt war, der Sitz des russischen Statthalters gewesen. Der konservative Präsident Andrzej Duda, der Anfang August als Nachfolger des Zentristen Bronislaw Komorowski hier eingezogen ist, überrascht in seinem Arbeitszimmer mit einem persönlichen Geständnis. Nachdem er sich ausführlich über die Beunruhigung in Ost-Mitteleuropa durch den neuen russischen Imperialismus, durch die Muskelspiele des russischen Präsidenten Putin ausgelassen hat, fügt er ganz am Ende des Interviews mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hinzu: „Wissen Sie, ich mag Deutschland ganz einfach“. Seine Frau ist Deutschlehrerin am Gymnasium, unzählige Male war das Paar im Zusammenhang mit dem deutsch-polnischen Schüleraustausch jenseits der Oder. Unzählige Freundschaften habe er dabei geschlossen, und nie etwas Unangenehmes erlebt. „Ich wurde nie unfreundlich behandelt und habe viel Freundlichkeit erfahren“.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Worte des neuen Präsidenten sind umso bemerkenswerter, als er aus einer politischen Strömung stammt, die nicht für besonders warme Gefühle Deutschland gegenüber bekannt ist. Der frühere Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski, Vorsitzender der Partei „Recht und Gerechtigkeit“, der politischen Heimat Dudas, hat Berlin immer wieder attackiert. Deutschland flüchte sich aus seiner historischen Verantwortung, es versuche „aus Henkern Opfer zu machen“, und überhaupt strebe es heimlich ein deutsch-russisches „Kondominium“ über Osteuropa an.

          Von diesen Tönen ist bei Duda nichts zu hören. Wenn es auch ab und an in Deutschland bis heute „Geschichtsverdrehung“ gebe, so müsse er doch anerkennen, dass Deutschland seine Lehren aus der Geschichte „in hohem Grade“ gezogen habe. „Deutsche Schüler, die nach Polen kommen, haben im Programm ihres Besuchs immer auch eine Fahrt ins Konzentrationslager Auschwitz, wo sie den Opfern des deutschen Völkermords während des Zweiten Weltkriegs die Ehre erweisen“, stellt er fest. „Die Deutschen erziehen die Jugend in dem Sinne, dass so etwas sich niemals wiederholen darf. Zugleich erkennen sie an, dass sie die Täter dieser schrecklichen Verbrechen waren.“ Das werde in Polen anerkannt – ebenso wie die Tatsache, dass Deutsche in den letzten Jahren der kommunistischen Diktatur während der achtziger Jahre Polen auf beeindruckende Weise geholfen hätten: „Damals kam aus Deutschland humanitäre Hilfe zu uns, und unsere Landsleute, die Polen verlassen mussten, wurden in Deutschland aufgenommen. Man hat ihnen geholfen, und das hat das Klima verbessert.“

          Mehr „Infrastruktur“ und „militärische Präsenz“ der Nato in Polen

          Mindestens ebenso nimmt Duda die deutsche Führung von heute gegen den alten Vorwurf in Schutz, mit Russland zulasten Osteuropas gemeinsame Sache zu machen. Die „militärischen Aktivitäten Russlands, seine Aggression gegen Georgien, die offensichtliche, schon auf den ersten Blick erkennbare Wiederkehr brutaler imperialer Tendenzen in Russland und bei Präsident Putin“ hätten in Deutschland „zu einem Stimmungswandel“ geführt. Aus der „Perspektive osteuropäischer Länder“ betrachtet, sei Bundeskanzlerin Angela Merkel heute eine der Politikerinnen, „die Russland gegenüber eine recht entschiedene Politik gewählt haben.“ Die Kanzlerin bemüht sich um Entschlossenheit angesichts des russischen „imperialen Verhaltens“, sagt der Präsident. Aber um einen dauerhaften Frieden in der Ukraine zu erzielen brauche sie Unterstützung durch entschlossenen internationalen Druck. Dabei verdiene sie die Unterstützung Europas. „Polen könnte hier viel leisten“, stellt Duda fest.

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