https://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/polen-mit-ein-bisschen-angst-gegen-homophobie-1329286.html

Polen : Mit ein bißchen Angst gegen Homophobie

  • Aktualisiert am

Regenbogenfarben bei der Gleichheitsparade in Warschau Bild: AP

Der Gleichheitsmarsch gegen Homophobie in Warschau geht nicht nur gegen ein innerpolnisches Problem vor. Die Diskriminierung homosexueller Menschen in einem Mitgliedsstaat muß ein innenpolitisches Thema der EU sein.

          2 Min.

          „Get up, stand up, don't give up the fight“ - „Steh auf, wehr dich, gib den Kampf nicht auf“: Mit Bob Marleys Ermutigung und Reggae-Rhythmen startet die Parade für Gleichberechtigung an diesem Samstag am Parlamentsgebäude in Warschau. Die 29 Jahre alte Agatha schiebt ihre kleine Tochter Yga in einer Karre an dem Sicherheitskordon der Polizisten vorbei. „Ich habe ein bißchen Angst, aber ich denke, wir müssen kommen, weil die Menschenrechte in Polen verletzt werden“, sagt die junge Mutter. „Ich und mein Mann, wir wollen zeigen, daß wir nicht einverstanden sind mit Homophobie.“

          Agatha und ihre Familie sind nicht die einzigen jungen Eltern bei diesem ersten erlaubten Gleichheitsmarsch seit mehreren Jahren in der polnischen Hauptstadt. Neben einer Gruppe von schwarz gekleideten jungen Leuten gehen Honorata und Maciek mit ihrem zwei Monate alten Sohn Zbysio. „Wir sind keine Anarchisten, aber es ist schön, daß wir zusammen gehen können“, sagt Maciek. „Wir sind für gleiche Rechte für alle Menschen und für Freiheit.“ Mit einem rechtsextremen Vizepremier gehe Polen in die falsche Richtung, sagt der junge Vater.

          „Es geht um europäische Werte“

          Mit Fahrrädern, Sonnenschirmen, bunten Fahnen in den Farben des Regenbogens und vieler Parteien ziehen mehrere tausend Menschen durch die Straßen Warschaus. 6000 sind es nach Schätzungen der polnischen Kampagne gegen Homophobie, die zu den Organisatoren der Warschauer Gay-Pride gehört. Die rechtsextreme „Allpolnische Jugend“ hatte eine ursprünglich geplante Gegenkundgebung abgesagt. Nur beim Start des Zuges hat sich ein Grüppchen von Gegendemonstranten vor dem Parlament, dem Sejm, versammelt und Sprüche gegen Schwule und Lesben skandiert. Aber drei Reihen Polizisten halten sie von der Demo fern.

          „Zeichen europäischer Solidarität”: Claudia Roth (Grüne)
          „Zeichen europäischer Solidarität”: Claudia Roth (Grüne) : Bild: AP

          Es herrscht Feiertagsstimmung im Zug. Vor allem, wenn sich alte Frauen aus den Fenstern der Mietskasernen am Weg lehnen und winken, dann freut sich die ganze Parade. Da geht es dann unter, wenn ein alter Mann am Straßenrand dem Zug hinterher ruft: „Ins Gas mit ihnen!“ Hunderte von Teilnehmern aus dem Ausland sind gekommen. Mitten im Zug marschieren auch die drei deutschen Grünenpolitiker Claudia Roth, Renate Künast und Volker Beck mit. Europa-Parlamentarier wie der Brite Michael Cashman und die deutsche Sozialdemokratin Lissy Gröner gehen kurz dahinter. „Es ist ein internationales Signal der Solidarität“, sagt Roth. „Es geht um europäische Werte, europäische Innenpolitik“, betont die Grünen-Politikerin.

          „Sache aller Europäer“

          So sehen das auch Arnd Lange und seine Kollegen vom Regionalverband Ost der Lesben und Schwulen in der Union. Sie sind mit dem Nachtzug aus Berlin gekommen. „Polen ist ein europäisches Land, die Grundrechte gelten in der ganzen EU“, sagt Lange. Schließlich säßen Vertreter der polnischen Regierung auch in den europäischen Ministerräten. „Die entscheiden auch über uns mit. Deshalb ist es für uns wichtig, sozusagen als Inländer teilzunehmen.“

          Volker Beck, der bei einer Demonstration für die Rechte von Homosexuellen in Moskau vor zwei Wochen verletzt wurde, spricht sogar von einer „historischen Stunde in der Geschichte des europäischen Volkes“. Und unterstreicht: „Wenn die demokratischen Grundrechte in einem Land angegriffen werden, dann ist es die Sache aller Europäer.“

          Weitere Themen

          Das Männer-Frauen-Spiel

          FAZ Plus Artikel: Gendern : Das Männer-Frauen-Spiel

          Die einen wollen Gendersensibilität, die anderen halten mit Grammatik dagegen und beklagen eine Sprachpolizei. In der Tat ist geschlechtersensibles Sprechen keine Lösung für dieses sehr alte Problem. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Was wollen die da? Konstruktive Politik machen? Wohl kaum. Alice Weidel und Alexander Gauland im Bundestag.

          Interne Chats im Bundestag : Die AfD ist ein Trümmerhaufen

          Der ARD sind 40.000 Chat-Nachrichten der AfD-Bundestagsfraktion zugespielt worden. Was steht drin? Frauen-, Schwulenfeindliches, Rassistisches, Umsturzphantasien. Man sieht, was in der Partei los ist. Das ist ein Offenbarungseid.
          Fridays fo Future demonstriert gegen den Braunkohletagebau

          Demokratie in der Krise : Die Abschaffung der Jugend

          Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass die Jüngeren kaum eine Rolle spielen – es gibt einfach zu wenig von ihnen. Was heißt das aber für unsere Zukunft?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage
          Automarkt
          Top-Gebrauchtwagen mit Garantie