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Plagiatsaffäre Koch-Mehrin : Koch-Mehrin muss Stipendium nicht zurückbezahlen

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Zweieinhalb Jahre Stipendium für ihre Doktorarbeit: Silvana Koch-Mehrin Bild: dapd

Zweieinhalb Jahre lang hat die Friedrich-Naumann-Stiftung Silvana Koch-Mehrin bei ihrer Doktorarbeit gefördert, die jetzt als Plagiat enttarnt wurde. Geld kann die Stiftung nicht zurückfordern, dafür gebe es keine rechtliche Grundlage. Das Stipendium fördere nur die Anfertigung der Arbeit.

          Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin wird nicht mit einer Rückforderung von Stipendiengeldern für ihre Promotion durch die Friedrich-Naumann-Stiftung rechnen müssen. „Gegenstand eines Stipendiums ist die Anfertigung der Doktorarbeit, nicht deren Note oder das Bestehen des Promotionsverfahrens überhaupt“, sagte ein Sprecher der Stiftung gegenüber FAZ.NET.

          Silvana Koch-Mehrin wurde in den Jahren von 1996 bis 1998 von der Stiftung zweieinhalb Jahre lang gefördert. Die genaue Höhe des Stipendiums ist nicht bekannt. Nach Angaben der Stiftung ist die Höhe der Förderung nach über zehn Jahren nicht mehr genau festzustellen. Heute beträgt die Förderung für Promovenden einheitlich bei allen Bildungsföderungswerken 1050 Euro monatlich. Man fördere nach allgemein bekannten Kriterien, die aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung kommen: Begabung, Charakter und gesellschaftlich-politisches Engagement.

          Naumann-Stiftung: „Wir verteilen keine Doktorhüte.“

          „Die Auswahl der Stipendiaten erfolgt durch einen unabhängigen Auswahlausschuss, der aus Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Kultur zusammengesetzt ist.“ Bei der Überprüfung der Qualität der geleisteten Arbeit eines Promovenden verlasse man sich auf die Gutachten des Doktorvaters der jeweiligen Universität: „Die Stiftung hat im Rahmen ihrer Förderung von Promotionen, die in allen Fakultäten erfolgen, weder personelle noch fachliche Möglichkeiten, die wissenschaftliche Qualität der Arbeiten zu überprüfen. Die Expertise zur Beurteilung der wissenschaftlichen Leistung obliegt allein der Universität. Wir haben kein Promotionsrecht, das heißt: Wir verteilen keine Doktorhüte.“, so der Sprecher. Jedoch werde vom Promovenden ein halbjährlicher Bericht zum Stand der Dinge gefordert, der der Stiftung Auskunft über den Fortgang der Doktorarbeit gebe. Dieser müsse auch vom betreuenden Doktorvater abgezeichnet werden.

          Silvana Koch-Mehrin war in der vergangenen Woche der Doktorgrad von der Universität Heidelberg entzogen worden, weil ihre Doktorarbeit „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: Die Lateinische Münzunion 1865-1927“ nach Angaben der Universität in substanziellen Teilen aus Plagiaten bestehe. Die FDP-Europaabgeordnete erklärte daraufhin, sie wolle die Entscheidung überprüfen lassen. Bereits im Mai hat Koch-Mehrin ihre Parteiämter als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament und damit Mitglied im FDP-Präsidium niedergelegt und trat auch als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments zurück. Die 40-Jährige hat den Schritt damit begründet, dass sie sowohl ihre Partei als auch ihre Familie schützen wolle. Europaabgeordnete wollte sie jedoch bleiben. In der FDP wird derzeit diskutiert, ob sie auch dieses Mandat abgeben soll (siehe Silvana Koch-Mehrin: Plagiatsaffäre belastet FDP).

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