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Pegida in Antwerpen : Die Spaltung der Diamantenstadt

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Der Einsatz von Gewalt, die er verabscheue, so Van Nespen, dürfte kein Mittel der Politik sein. Unumwunden sagt er aber auch: „Der Islam ist eine Ideologie, keine Religion.“ Er sei darin dem Nationalsozialismus vergleichbar. Gefordert sei eine „Entislamisierung wie die Entnazifizierung“. Die Demonstrationen, die Pegida bisher in Antwerpen und Gent organisiert habe, sollten die Politik wachrütteln und für die Gefahren des Vormarschs des Islams und die Integrationsprobleme sensibilisieren. „Solange dies nicht geschieht, wird die Bewegung immer stärker werden“, sagt Van Nespen.

Partei N-VA verweist auf Präventionsprojekte

Zuhal Demir reagiert verärgert, wenn man sie auf Pegida Flandern anspricht. „Die N-VA hat nichts mit Pegida Flandern zu tun und will auch nichts damit zu tun haben“, sagt die 35 Jahre alte türkisch-kurdischstämmige N-VA-Politikerin und Bezirksbürgermeisterin der Antwerpener Innenstadt. Sie vertritt ihre Partei auch im belgischen Parlament. Ihre der Union in Deutschland nahestehende Partei fühle sich dem Grundsatz der Integration verpflichtet. „Jeder, der hier wohnt, arbeitet und Steuern zahlt, gehört zu dieser Gemeinschaft“, sagt Demir. Als einzige Stadt verfüge Antwerpen über eine „Entradikalisierungsstelle“ mit sechs Vollzeitkräften. „Es wird stark präventiv gearbeitet, sowohl individuell mit Jugendlichen als auch mit Gruppen“, erläutert Demir.

Van Nespen sieht dagegen einen „schleichenden Prozess“ der Islamisierung, der sich zum Beispiel durch den Zwang zu Fleisch betäubungslos geschlachteter Tiere in Hochschulkantinen zeige. Es genüge, sich 300 Meter vom Hauptbahnhof entfernt in das Viertel rings um die Ausfallstraße Turnhoutse Baan zu begeben. „Ein Kopftuch war vor 30 Jahren eine Ausnahme im Straßenbild, aber heute ist es die Regel“, beklagt Van Nespen. Auf den ersten Blick mag das stimmen; andererseits hat sich in dem Viertel eine alternative Szene herausgebildet. Davon zeugen Aufkleber von Atomkraftgegnern, aber auch die aus den Niederlanden importierte Vorliebe zum schweren „Bakfiets“, einem nicht nur zum Transport von Kindern geeigneten Lastenfahrrad.

Gentrifizierung verstärke Radikalisierungsgefahr

In der auch in Teilen Antwerpens zu beobachtenden „Gentrifizierung“, die sozial benachteiligte Ausländer in anonyme Vorstädte verdränge und dort zu Radikalisierung führen könne, sieht Abou Jahjah große Gefahren. Neun Jahre hat er in Antwerpen gelebt. Heimisch fühle er sich dagegen im jetzigen Wohnort Brüssel. Nun glaubt er zu wissen, woran das liegt.

Auf der Terrasse eines Brüsseler Hotels spricht er von einem tiefreichenden gesellschaftlichen Wandel. Die mit der Überzeugung vom „ethnisch sauberen Europa“ verbundene Politik der Assimilation sei zum Scheitern verurteilt. „Es entspricht dem Zeitgeist, auf gesellschaftliche Einbeziehung und politische Beteiligung unterschiedlicher Gruppen zu setzen. Man muss Brücken zwischen ihnen bauen“, sagt der Vorsitzende von Movement X.

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