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Pegida in Antwerpen : Die Spaltung der Diamantenstadt

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Juden wollen nicht aus Antwerpen weg

Doch die Partei musste 2012 ebenfalls eine schwere Wahlschlappe in der Stadt hinnehmen, die seitdem von einem bürgerlichen Parteienbündnis unter Führung der Neuen Flämischen Allianz (N-VA) von Bürgermeister Bart De Wever regiert wird. Auch wenn sich die Geschäftsführerin von „Joods Actueel“ vom flämisch-nationalistischen Kurs der Partei klar distanziert, findet sie lobende Worte für De Wever: „Er hat das Heft in Hand genommen und den Schutz jüdischer Einrichtungen umgehend verstärkt, erst nach den Anschlägen auf das Jüdische Museum in Brüssel und nun nach den Pariser Attentaten.“ Tatsächlich hat es an Bildern der Verbrüderung jüdischer Bewohner Antwerpens mit Fallschirmjägern nicht gemangelt.

Anders als in der französischen Hauptstadt spielen in Antwerpen offenbar nur sehr wenige jüdische Bewohner mit dem Gedanken, nach Israel auszuwandern. „Wir leben hier und denken jetzt nicht daran, aus Antwerpen wegzuziehen“, sagt Davids.

Unter Aufsicht: Belgische Polizisten bewachen das Jüdische Museum in Brüssel nach dem Attentat vor einem Jahr.
Unter Aufsicht: Belgische Polizisten bewachen das Jüdische Museum in Brüssel nach dem Attentat vor einem Jahr. : Bild: Reuters

Doch gibt es Entwicklungen in der Stadt, die ihr große Sorgen bereiten. Zum Beispiel, dass es dort nun Pegida Flandern, einen Ableger der islamfeindlichen deutschen Bewegung, gibt. Irritiert zeigt sich Davids auch über die von Dyab Abou Jahjah geführte Bewegung Movement X – eine Bürgerbewegung, die sich für die Gleichberechtigung von Migranten einsetzt. Der 43 Jahre alte gebürtige Libanese war vor einem Jahrzehnt als Gründer der Arabisch-Europäischen Liga (AEL) wegen seiner radikal antiisraelischen Haltung in Belgien kritisch beäugt worden.

Damals kooperierte er mit Fouad Belkacem. Der Spitzenmann der salafistisch ausgerichteten Gruppe Sharia4Belgium war im Februar zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Er soll zahlreiche junge Muslime für den Kampf als Dschihadisten in Syrien angeworben haben. Dass Abou Jahjah heute scharfer Kritiker Belkacems ist und zudem regelmäßig eine Kolumne für die gutbürgerliche Zeitung „De Standaard“ verfasst, hat nicht alle Skeptiker verstummen lassen.

Pegida-Mann vergleicht Islam mit Nationalsozialismus

Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als Belkacem verurteilt wurde, beschloss der Softwarespezialist Rudy Van Nespen, mit Gleichgesinnten Pegida Flandern zu gründen. Beim Anblick der Anschläge in Paris habe man sich gesagt: „Jetzt müssen wir etwas tun. Wenn wir schweigen, dann können sie alle abschießen.“ Nun ist das Vorstandsmitglied des Vlaams Belang im Stadtteil Deurne Sprecher von Pegida Flandern. Dass es nur um einen Ableger der Partei gehe, streitet er bei einem Treffen ab. Es gebe Mitglieder anderer Parteien, auch Parteilose.

Den Vorwurf des Rassismus weist der drahtig wirkende Mann, der in seiner Freizeit Gleitschirme fliegt, weit von sich: „Vielfalt ist eine Realität, aber es ist auch eine Tatsache, dass wir mitten in Europa leben. Das heißt, dass man sich anpassen muss – wenn nicht, dann ist da die Tür.“

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