https://www.faz.net/-gpf-78e2w

Parteigründung der AfD : Für Deutschland?

Man sollte die „Alternative für Deutschland“ fragen, wie sie denn die Eurozone „geordnet“ auflösen wolle. Es sind die großen Unwägbarkeiten, die damit verbunden wären, welche schaudern lässt.

          Ob es einen Bedarf in Deutschland für eine „Alternative für Deutschland“ gibt, entscheidet letztlich der politische Markt - diese Sichtweise dürfte vielen Mitgliedern und Jungfunktionären der neuen Partei nicht fremd sein. 24 Prozent der Wahlberechtigten haben angegeben, sie könnten sich vorstellen, diese Partei zu wählen - ob aus der Vorstellung tatsächlich ein Votum wird, ist eine andere Frage. Aber das ist die entscheidende. Den Piraten war auch schon eine gute parlamentarische Zukunft vorausgesagt worden, von wegen Zeitströmungen; heute sind sie auf dem Weg ins Nirgendwo.

          Der (Wahl-)Erfolg einer neuen Partei hängt von vielen Faktoren ab: der Qualität des Programms, der Überzeugungskraft der Führung, der Organisationsfähigkeit. Auch die Umstände spielen eine Rolle. Und da könnte es sein, dass die neue Formation, deren Kern im Wortsinne die Euro-Skepsis ist, zu spät kommt: Offenbar haben mehr als zwei Drittel der Deutschen ihren Frieden mit dem Euro gemacht; nur ein Viertel will zurück zur Mark. Und der institutionelle Umbau der Währungsunion ist auf den Weg gebracht, mit Billigung des höchsten deutschen Gerichts.

          Ja, die Staatsschuldenkrise und das, was zu deren Bekämpfung unternommen worden ist, sehen die Deutschen mit geringer Begeisterung. Die Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Euro waren zwischenzeitlich groß. Aber diese Zweifel sind weniger geworden, dafür ist die Zustimmung zur Kanzlerin umso größer. Das hat zweifellos auch mit Stil und Inhalt ihrer Europapolitik zu tun.

          Das heißt nicht, dass die neue Partei nicht Schicksal spielen könnte. Zwei Prozent Wählerstimmen bei der Bundestagswahl, aus einem Milieu kommend, das CDU und FDP nahesteht, könnten darüber entscheiden, wer die nächste Regierung bildet. Deswegen sollten es sich die bürgerlichen Parteien nicht zu leicht machen und glauben, es werde schon genügen, „die Alternative“ als rechtspopulistisch zu dämonisieren, und die Wähler würde einen großen Bogen um diese machen. Dass die Währungsunion unter großer Spannung steht, der Euro nicht so segensreich wirkte, wie vorhergesagt, ist ja keine falsche Behauptung. Die alten Parteien sollten den neuen Wettbewerber fragen, wie er denn die Eurozone „geordnet“ auflösen wolle. Und welche Folgen das hätte - für Deutschland, für Europa. Es sind die großen Unwägbarkeiten, die damit verbunden wären, welche die Verantwortlichen schaudern lässt.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Protest vor dem Kanzleramt

          Koalition streitet ums Klima : Atemlos durch die Nacht

          Wie soll Deutschland seine Klimaziele bis 2030 schaffen? Die große Koalition tut sich schwer und verhandelt die ganze Nacht hindurch. Die Gespräche im Kanzleramt dauern auch am Freitagmorgen an.
          Der japanische Kaiser Naruhito (r), Kaiserin Masako und ihre Tochter Prinzessin Aiko winken, nachdem sie in der Präfektur Tochigi für ihren Sommerurlaub angekommen sind.

          Japan : Der Kaiser fährt Toyota

          Das japanische Kaiserhaus übt sich in Volksnähe. Bei den Feiern zur Inthronisierung wird Kaiser Naruhito sich den Japanern nicht im Rolls Royce, sondern in einem Toyota zeigen. Doch es ist ein ganz besonderer Toyota.
          Unsere Sprinter-Autorin: Maja Brankovic

          F.A.Z.-Sprinter : Großkampftag fürs Klima

          Arbeiten oder fürs Klima streiken? Heute wollen die Schüler, dass die Erwachsenen es ihnen gleich tun. In Berlin ringt die große Koalition weiter um ein klimapolitisches Reformpaket. Alles Wichtige im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.