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OECD-Studie : Zwei Millionen junge Spanier tun nichts

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Mancher hält sie für eine verlorene Generation: Junge Spanier sitzen auf einem Platz in Madrid Bild: dpa

Sie arbeiten nicht. Sie studieren nicht. Sie erlernen auch keinen Beruf. Eine OECD-Studie macht „große Unzulänglichkeiten“ bei einem Viertel aller jungen Spanier aus. Besserung ist nicht in Sicht.

          3 Min.

          Zwei Millionen junge Spanier im Alter zwischen 15 und 29 Jahren sind sogenannte „Ninis“. Das heißt, dass sie weder arbeiten noch studieren oder in einer Berufsausbildung stehen. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Mit einem Anteil von 23,7 Prozent Untätiger - bei Jugendlichen zwischen 25 und 29 Jahren sind es sogar 29 Prozent - ist Spanien damit vor Italien (23 Prozent) und Irland (21) das Hauptproblemland in der Europäischen Union. Viele Jugendliche haben in den vergangenen fünf Krisenjahren nach wiederholten vergeblichen Versuchen die Jobsuche entmutigt aufgegeben. Einige Zehntausend sind derweil ins Ausland, in Europa insbesondere nach Großbritannien und Deutschland, oder nach Übersee ausgewandert.

          Die Staatssekretärin im Kultur- und Erziehungsministerium Montserrat Gomendi, die jetzt in Madrid die Studie „Ausbildungspanorama 2012“ vorstellte, wies darauf hin, dass das schlechte Ergebnis des Landes nicht vorwiegend eine Sache mangelnder Finanzierung sei. So gab Spanien im vergangenen Jahrzehnt jährlich rund 8000 Euro pro Schüler aus - 2500 Euro mehr als im Durchschnitt der 34 OECD-Länder -, lag jedoch in der vergleichenden Pisa-Studie dennoch nur an 26. Stelle, also auf einem der letzten Plätze.

          Spanische Fachleute warnen vor einer „verlorenen Generation“

          Die Zahlen der Studie stammen aus dem Jahr 2010, als Spanien sich im dritten Krisenjahr befand. Sie dürften in der Zwischenzeit nicht besser geworden sein. Bei den OECD-„Ninis“ liegt das Land hinter der Türkei, Israel und Mexiko an vierter Stelle (Deutschland an 24.). Bei arbeitslosen Jugendlichen mit Universitäts- oder höherer Schulbildung ist es mit 10,4 Prozent sogar an erster Stelle, bei Jugendlichen mit einfacher Grundschulbildung hinter der Slowakei (40,8 Prozent) und Estland (27,5) mit 24,7 Prozent an dritter.

          Die allgemeine Jugendarbeitslosigkeit von gegenwärtig 53 Prozent in dem Segment der Achtzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen wurde in Spanien schon einmal im Jahr 1996 erreicht. Danach begann indes das „goldene Jahrzehnt“ des Immobilienbooms, welches vor allem für ungelernte Kräfte gut bezahlte Arbeitsplätze auf dem Bau und im Dienstleistungssektor bot. Dies führte wiederum bis zum Krisenbeginn 2007 zu einem rasanten Anstieg der Schulabbrecher von durchschnittlich 30 Prozent. Erst im vorigen Jahr sank diese Zahl zum ersten Mal wieder auf 26,5 Prozent. Die ungelernten Jugendlichen waren die ersten Krisenopfer. Weil viele „Ninis“ die Zwischenzeit nicht für Kurse oder eine reguläre Berufsausbildung nutzten, sind sie unverändert auch am schwersten in den Arbeitsmarkt zu reintegrieren. Daher warnen spanische Fachleute vor einer „verlorenen Generation“.

          Bei den Jugendlichen mit Universitätsabschlüssen stellte sich heraus, dass für viele Absolventen, vor allem im Kultur-, Sozialwissenschaften- und Medienbereich, kein Bedarf bestand, so dass sie sich fachfremd orientieren und oft als „Überqualifizierte“ einfache Tätigkeiten suchen mussten. 10,4 Prozent von ihnen kategorisiert die OECD-Studie als „Ninis“ (2007: 4,8). Aber auch bei den Abiturienten und Absolventen von Berufsschulen stieg zwischen 2007 und 2010 die „Nini“-Zahl von 7,2 auf 17,4 Prozent.

          Staatssekretärin Gomendio wies in diesem Zusammenhang auf „große Unzulänglichkeiten“ bei der Berufsausbildung im spanischen System generell hin. Sie äußerte zugleich die Hoffnung, dass die Versuche der konservativen Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy, diesen Sektor nach dem Vorbild des deutschen „dualen Systems“ zu reformieren, Erfolg haben würden. Zwei große Automobilfirmen - Seat in Katalonien und Volkswagen in Navarra - haben inzwischen als Erste mit solchen Projekten begonnen. Ob und wie rasch sich derlei auf nationaler Ebene verwirklichen lassen wird, wird unter anderem von der Verfügbarkeit qualifizierter Ausbilder, von Unterrichtsstätten, der Kooperation bislang häufig zurückhaltender privater Firmen und den staatlichen Finanzierungsmöglichkeiten abhängen.

          Aufgrund der erzwungenen Budgetkürzungen mussten wechselnde Regierungen in den vergangenen drei Jahren schon mehr als zehn Milliarden Euro aus dem Bildungsetat streichen. Die spanischen Gewerkschaften, die um ihre Machtstellung und Einflussmöglichkeiten fürchten, verfolgen überdies die Pläne mit dem dualen System skeptisch. Dafür haben sie für den Herbst umfassende „Mobilisierungen“ und Protestaktionen gegen den Abbau von bislang rund 80000 Lehrerstellen an öffentlichen Schulen angekündigt.

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