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London : Mehr Soldaten sichern Olympische Spiele

Die Sicherheit der Spiele sei „nicht beeinträchtigt“: Innenministerin Theresa May Bild: dpa

Das britische Verteidigungsministerium hat entschieden, weitere 3500 Soldaten für den Schutz der Olympischen Spiele einzusetzen. Unterdessen bemüht sich die Regierung, Bedenken über die Sicherheit des Sportfests zu zerstreuen.

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          Nach der unerwarteten Entscheidung des britischen Verteidigungsministeriums, weitere 3500 Soldaten für den Schutz der Olympischen Spiele einzusetzen, bemühte sich die Regierung, Bedenken über die Sicherheit des Sportfests zu zerstreuen. Innenministerin Theresa May versicherte am Donnerstag im Unterhaus, die Sicherheit der Spiele sei „nicht beeinträchtigt“.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Es gebe keine „spezifischen Sicherheitsbedrohungen“, am allgemeinen Bedrohungsniveau habe sich nicht geändert. Auch der für die Olympischen Spiele zuständige Staatssekretär im Außenministerium, Jeremy Browne, ließ die Entsendung als einfache Korrektur erscheinen. „Wenn wir plötzlich Probleme entdecken, müssen wir eben handeln und die nötigen Maßnahmen einleiten“, sagte er der F.A.Z.

          „Unfall“ sei erwartbar gewesen

          Die zusätzliche Bereitstellung von Militär war nach Regierungsangaben nötig geworden, nachdem ein privates Sicherheitsunternehmen seine vertragliche Zusage nicht einhalten konnte, für die am 27. Juli beginnenden Spiele ausreichend Wachpersonal bereitzustellen. Der Firma drohen nun Schadenersatzforderungen, kündigte das Büro des Premierministers an. Die Labour-Opposition warf der Regierung vor, Alarmzeichen übersehen zu haben. Der „Unfall“ sei erwartbar gewesen.

          Insgesamt sollen 12.000 Polizisten und nunmehr 17.000 Soldaten die Sicherheit in London und an den auswärts gelegenen Sportstätten garantieren. Hinzu kommen etwa 17.000 private Wachmänner und Ordner. Der Schutz der Spiele kostet offiziellen Angaben zufolge mehr als 670 Millionen Euro.

          Inlandsgeheimdienst sieht sich unter Druck

          Zwei Wochen vor dem Beginn des Sportfests werden auch andere Sicherheitsaspekte diskutiert. Am Dienstag wies der High Court eine Klage von Anwohnern ab, die gegen die Stationierung von Boden-Luft-Raketen auf ihrem Dach protestiert hatten. Sie hatten argumentiert, dass sie durch die Stationierung zum potentiellen Ziel von Terroristen werden könnten und damit in ihrer Sicherheit beeinträchtigt seien. Insgesamt sollen die Raketen auf sechs Dächern in der Nähe des Olympiaparks aufgestellt werden.

          Mehrere Festnahmen mutmaßlicher Attentäter hatten in der vergangenen Woche Aufregung hervorgerufen, auch wenn die Razzia in keinem Zusammenhang zu den Olympischen Spielen gestanden haben soll. Der Kontrollausschuss für die Geheimdienste im Unterhauses (ISC) hielt am Donnerstag fest, dass die Geheimdienste durch die Spiele einem „beispiellosen Druck“ ausgesetzt seien.

          Der Chef des Inlandsgeheimdienstes MI5, Jonathan Evans, hatte die Sportveranstaltung unlängst als „attraktives Ziel für unsere Feinde“ bezeichnet, die Bedrohungslage aber als nicht besorgniserregend eingeschätzt. Die britische Hauptstadt wurde im Sommer 2005, kurz nach ihrer Kür zum Austragungsort der Olympischen Sommerspiele, von einem schweren Terroranschlag erschüttert.

          Unter weiteren Rechtfertigungsdruck geriet die Regierung am Donnerstag, nachdem Klagen über lange Warteschlangen am Flughafen Heathrow bekanntgeworden waren. Die Regierung versicherte, Beeinträchtigungen durch den Besucheransturm und intensivere Sicherheitskontrollen würden durch mehr Personal ausgeglichen. EU-Bürger müssten nicht länger als 25 Minuten, Reisende aus Nicht-EU-Staaten nicht länger als 45 Minuten für die Einreise einkalkulieren. Seit Anfang der Woche kommt es zum Teil zu mehr als zweistündigen Wartezeiten an Londons größtem Flughafen.

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