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Lettland und der Euro : Nach Reformen reif

  • -Aktualisiert am

Die EU-Finanzminister haben zugestimmt, Lettland wird das 18. Mitglied der Währungsunion. Das ist ein Vertrauensbeweis für die Eurozone - trotz griechischer und anderer Unsicherheiten.

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          Auch und gerade wegen der Zweifel, ob Griechenland auf den Weg der wirtschaftlichen Gesundung findet, und angesichts der bedrückenden Lage von Portugal bis Zypern ist das eine schöne Nachricht: Die EU-Finanzminister haben ja gesagt, Lettland wird das 18. Mitglied der Währungsunion.

          Die Nachricht ist deswegen vergleichsweise schön, weil zum Jahresbeginn ein Land den Euro einführen wird, das nach einem scharfen Wirtschaftseinbruch als Folge der Finanzkrise ein erfolgreiches Gesundungsprogramm absolviert hat, das also ein Beispiel dafür ist, dass die Kombination von strenger Haushaltsdisziplin und Wirtschaftsreformen durchaus funktioniert.

          Und es widerlegt die Prognose, dass die Währungsunion auseinanderfällt; das Gegenteil ist trotz griechischer und anderer Unsicherheiten erst einmal der Fall: Die Eurozone wächst - und 2015 könnte auch noch Litauen hinzukommen. Dieses Wachstum stärkt, auch das ist eine nette Begleiterscheinung, die Fraktion derer, die solide Staatsfinanzen nicht für wachstumsfeindlich oder für eine deutsche Obsession halten.

          Die Letten sind also das zweite baltische Volk, dessen Währung in ein paar Monaten der Euro sein wird; Estland ist der Währungsunion 2011 beigetreten. Aus Sicht dieser Länder, die ehemals zur Sowjetunion gehörten, ist das ein eminent wichtiger (geo-)politischer Schritt: Sie gehören jetzt zum Kern des politisch und wirtschaftlich integrierten Europa; in der Diskussion über die sich auftuende Spaltung der EU sind nicht sie es, die draußen sind, sondern sie gehören zu denen, die „drin“ sind. Auch das wird ihrer gefühlten oder tatsächlichen Abhängigkeit von Russland entgegenwirken.

          Alles eitel Sonnenschein? Nicht ganz. Erstens sind viele Letten nicht davon begeistert, die eigene gegen die Gemeinschaftswährung zu tauschen. Die Spannungen im Euroraum sind nicht die beste Werbung, und offenkundig verbindet sich auch mit der lettischen Währung so etwas wie nationale Identität. Und zweitens wird schon vor einem „zweiten Zypern“ gewarnt, weil der Finanzsektor für das kleine Land eigentlich zu groß sei.

          Die Vergabe von Aufenthaltstiteln an Immobilieninvestoren aus Nicht-EU-Ländern ist überdies eine fragwürdige Praxis.

          Wie dem auch sei: Dass Länder, die in ihrer jüngeren Geschichte einiges durchgemacht haben, in die Währungsunion drängen, ist, mal etwas anderes, zumindest ein Vertrauensbeweis.

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