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Kroatiens EU-Beitritt : Berge, Täler - und Neum

Für ihre Kinder, sagen die Eltern in Neum, sei es günstiger, wenn in ihrem Pass Dubrovnik als Geburtsort steht und nicht Mostar. Mostar, das klingt nach Muslimen, nach Balkan. Dubrovnik ist Europa. Außerdem ist die Straße von Neum nach Mostar in schlechtem Zustand. „Es leben eben nur Kroaten rechts und links der Straße, da ist es der muslimischen Regierung in Sarajevo nicht wichtig, sie auszubauen“, hört man die Leute in Neum erzählen. Pfarrer Pulic drückt sich anders aus: „Kein Reiseunternehmer schickt seine neuen Busse über solche Straßen. Wenn sich daran nichts ändert, brauchen wir uns keine Hoffnung auf Tourismus machen.“

Das musste auch Davor Krešic erfahren, der junge Direktor des „Hotels Sonne“, einer Bettenburg aus jugoslawischer Zeit. „Wir sind hier eine Insel“, sagt der Manager und berichtet von Moskauer Reiseagenturen, die russische Touristen nach Neum bringen wollten. Früher reisten Russen und Ukrainer über die Flughäfen Split oder Dubrovnik an. Künftig werden sie aber ein Transitvisum für Kroatien brauchen, und niemand werde sich diese Scherereien zumuten, nur um nach Neum zu reisen.

„Hier arbeiten alle gegeneinander“

Also kam man auf die Idee, die Flüge über Mostar zu leiten und die Touristen mit Bussen nach Neum zu bringen. „Der Vertrag war schon fertig. Aber als die Russen den Zustand der Straße von Mostar nach Neum sahen, winkten sie ab“, sagt Krešic. Viel werde künftig von der Grenzabfertigung abhängen. Komme es an den Übergängen zu langen Staus und Scherereien, „dann wird das ein Problem für Neum.“ Deshalb hat Krešic auch nichts gegen die Brücke, im Gegenteil. „Je mehr Straßen, desto besser. Wir haben Nachholbedarf.“ Krešic ist zwar Kroate, aber er ist anders als die meisten in Neum.

Er sagt: „Wir sind hier Kroaten aus der Hercegovina, aber unser Staat ist Bosnien.“ Deswegen ärgert er sich so über seinen Staat: „Hier arbeiten alle gegeneinander“. Krešic berichtet von einer Tourismusmesse, auf der die Regierung in Sarajevo einen aufwendig gestalteten Reisekatalog vorstellen ließ. „Neum war nicht drin. Die hatten uns vergessen. Aber Bosnien hat ja nicht einmal ein gemeinsames Tourismusministerium, da ist das kein Wunder.“

Doch die bosnischen Ministerien, die es gibt, beeindrucken schließlich auch nicht gerade durch administrative Effizienz. Sie kaufen Züge, die nicht fahren. Bosnien ist gewissermaßen das Gegenteil vom Talgo. Den wollen alle, aber er ist nicht da. Bosnien will fast niemand, aber es ist da. Bosnien ist ein Staat, den es trotzdem gibt. Jetzt auch als Nachbar der EU.

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