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Kongo : EU schickt Verstärkung nach Kinshasa

  • Aktualisiert am

Die Lage ist instabil: UN-Patrouille in Kinshasa Bild: AFP

Die Unruhen nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses in Kongo halten an. Frankreich ist „ernsthaft besorgt“, Berlins Verteidigungsminister Jung rechnet hingegen nicht mit einer Verschärfung der Lage. Die EU schickt weitere Truppen.

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          Angesichts der heftigen Kämpfe nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentenwahl in Kongo verstärkt die EU-Mission Eufor ihre Präsenz in der Hauptstadt Kinshasa. Noch am Dienstag wurden nach Angaben eines Eufor-Sprechers 200 deutsche Soldaten aus Gabun erwartet. 50 Mann der Eufor-Truppe sollen bereits in der Nacht eingetroffen sein. Gleichwohl ist nach Worten des Eufor-Sprechers Oberstleutnant Peter Fuß ein Eingreifen durch Eufor bislang nicht von der UN-Mission in Kongo, Monuc, angefordert worden. Eufor hat neben den 1200 Soldaten in Kinshasa 1000 weitere in Gabun stationiert.

          In Kinshasa kam es den dritten Tag in Folge zu Schießereien zwischen Anhängern von Präsident Joseph Kabila und seinen Herausforderer Jean-Pierre Bemba. Beide treten Ende Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an. Die Vereinten Nationen forderten die Konfliktparteien zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Kabila und Bemba sollten unverzüglich Gespräche führen, forderte die Monuc.

          Frankreich „ernsthaft besorgt“

          Das Oberkommando der kongolesischen Armee rief alle Soldaten am Dienstag dazu auf, in die Kasernen zurückzukehren und ihre Waffen abzugeben. Gleichwohl sind an den Kämpfen lediglich die Präsidentengarde und Bembas Leibwache beteiligt. Angesichts der Gewalt setzten die Fluggesellschaften Air France und SN Brussels am Dienstag ihre Flüge nach Kinshasa aus.

          Frankreich zeigte sich wegen der Sicherheitslage dort „ernsthaft besorgt“ und rief alle an den Schießereien Beteiligten dazu auf, „Verantwortung zu zeigen und diesen Akten der Gewalt sofort ein Ende zu setzen“.

          Jung: Auseinandersetzungen lassen nach

          Der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat sich indes optimistisch über die Sicherheitslage der Bundeswehr-Soldaten in Kongo geäußert. „Meine Information ist, daß nicht von einer Verschärfung der Lage auszugehen ist“, sagte Jung am Dienstag in Berlin. „Wir haben zwar vorsorglich unser Kontingent in der Hauptstadt Kinshasa verstärkt.“ Das sei aber eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Die Auseinandersetzungen ließen langsam nach.

          Trotz intensiver Vermittlungsversuche unter anderem der Monuc gingen die Kämpfe in Kinshasa am Dienstag vormittag weiter. Auslöser der jüngsten Auseinandersetzungen zwischen der Präsidentengarde und Bembas Sicherheitskräften war ein Angriff der Kabila-Truppe auf die Residenz Bembas am Montag nachmittag. Dabei hatte die Präsidentengarde schwere Waffen eingesetzt, darunter Kampfpanzer.

          14 Botschafter unter Beschuß

          Zum Zeitpunkt des Angriffes hielten sich 14 Botschafter der sogenannten Gebergruppe Ciat zu Gesprächen mit Bemba in der Residenz auf, darunter die Botschafter der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Belgiens sowie der Sondergesandte des UN-Generalsekretärs für Kongo, der amerikanische Diplomat William Swing. Angesichts der Heftigkeit der Angriffe mußten die Diplomaten Schutz im Keller der Residenz suchen, bevor sie gegen 21 Uhr am Montag abend von Blauhelmsoldaten und Eufor-Truppen in Sicherheit gebracht werden konnten.

          150 spanische Infanteristen, die schnelle Eingreiftruppe von Eufor, hatten an der Rettungsaktion teilgenommen. Noch in der Nacht von Montag auf Dienstag waren zwei französische Kampfhubschrauber, ein Transporthubschrauber sowie etwa 50 Soldaten aus Frankreich, Schweden und Portugal von Libreville aus nach Kinshasa verlegt worden.

          Diplomaten: Bemba sollte ermordet werden

          Die Hintergründe des jüngsten Angriffes sind unklar, zumal Kabila bei den Wahlen 45 Prozent der Stimmen gewonnen hatte und somit als aussichtsreichster Kandidat in die Stichwahl gegen Bemba geht, der auf 20 Prozent kam. Noch am Montag abend hatten sich beide Seiten gegenseitig die Schuld für die Schießereien zugeschoben. Nach Worten der betroffenen Diplomaten aber war der Angriff der Kabila-Truppen vorsätzlich und hatte die Ermordung Jean-Pierre Bembas zum Ziel. (Siehe auch: Jean-Pierre Bemba: Intelligent und skrupellos)

          Bereits am Sonntag war es unmittelbar vor Verkündigung der Wahlresultate zu einem Schußwechsel zwischen den beiden Gruppen gekommen. Der Hintergrund dafür scheint ein Wortwechsel gewesen zu sein, in dessen Verlauf ein Polizist die Nerven verloren und auf die Bemba-Soldaten geschossen haben soll.

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