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Kampf gegen den IS : Eine syrische Exilarmee - warum nicht?

IS will Einsatz von Bodentruppen provozieren

Drittens warnen Kenner wie der Publizist Jürgen Todenhöfer, der den Schneid besaß, ins Herz der Finsternis zu reisen und aus dem Herrschaftsgebiet des „Islamischen Staats“ zu berichten: Die Entsendung westlicher Bodentruppen ist genau das, worauf die Theomanen von Raqqa warten. Die Massaker von Paris seien nicht zuletzt in der Hoffnung verübt worden, die westlichen Staaten dazu zu bringen, endlich Soldaten zu schicken, statt nur Bomben abzuwerfen. Klar: Bei dem Einsatz von Bodentruppen wirkt die Propaganda, die die islamistischen Zauselbartkrieger über den westlichen Kreuzzug gegen „die Muslime“ verbreiten, umso glaubwürdiger.

Wenn aber Bodentruppen nötig sind, westliche Streitkräfte jedoch ausfallen – wer soll dann kämpfen gegen das massenmörderische Regime von Baschar al Assad und dessen medienwirksame Ausgeburt vom „Islamischen Staat“? Dass junge Schwaben, Schleswiger oder Sachsen den Weg nach Aleppo freischießen, während syrische Männer in Deutschland abwarten, was draus wird, wäre politisch nicht zu vermitteln. Deutschland dürfe seine Soldaten nicht in einen brutalen Mehrfrontenkrieg schicken, in dem der „Islamische Staat“, die Truppen Assads und Dutzende weitere Milizen gegeneinander kämpfen, stellte Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Herbst 2014 in einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ fest. Schwer vorstellbar, dass künftige deutsche Regierungen das anders sehen werden.

Bedeutet: Im ehemaligen Syrien können nur Syrer siegen. Sie allein können einen Kampf um die Aufteilung der syrischen Konkursmasse führen, dessen Ergebnis dann auch hält. Aber wer soll kämpfen, wenn sich junge Syrer statt mit Assads Schergen vor Damaskus und der terroristischen Internationale zu Raqqa Gefechte mit Albanern vor der Essensausgabe der Flüchtlingsunterkunft Kassel-Calden liefern?

Die Welt ist ein Dorf, und im Dorf brennt es

Polens Außenminister hat recht, wenn er fordert, Europa solle jenen Syrern helfen, die für den Frieden in ihrer Heimat zu kämpfen bereit sind. Von den Hunderttausenden Flüchtlingen aus Syrien in Deutschland sagen viele, sie liebten ihr Land und wollten zurück, sobald es dort friedlich sei. Doch dafür werden vor allem sie selbst zu sorgen haben. Je mehr Flüchtlinge zu uns kommen, je stärker ein nicht nur finanzielles Engagement der EU im Nahen Osten gefordert wird, desto deutlicher wird die Frage gestellt werden, was die geflüchteten Syrer dazu beitragen können und müssen.

Eine Antwort könnte lauten, dass Europa in viel größerem Ausmaß als bisher Waffen und Wissen zur Verfügung stellt – nicht nur den Kurden im Nordirak, die bisher die erfolgreichsten Gegner des „Islamischen Staates“ sind. Die Frage nach Bodentruppen stellt sich auch für den einstweilen noch unabsehbar fernen Tag, an dem der Aufbau einer Nachkriegsordnung mit dann wohl anderen Grenzen beginnt. Zur Erinnerung:

Ohne die Entsendung von fast 60.000 (vor allem westlichen) Soldaten nach Bosnien 1995 und gut 50.000 in das Kosovo 1999 wären die zuvor herbeigebombten und bis heute haltenden Friedenslösungen auf dem Balkan nicht durchzusetzen gewesen. Man kann sich natürlich auch mit der Lage im früheren Syrien abfinden und sagen, den Krieg in der islamischen Welt müsse man ausbluten lassen. Was das für die Flüchtlingszahlen und damit für die politische Stabilität in Deutschland bedeutet, dürfte mittlerweile aber klar sein. Denn die Welt ist ein Dorf, und im Dorf brennt es.

Michael Martens

Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

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