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Jugendliche in Kroatien : Kleines Land - was nun?

  • -Aktualisiert am

Europa hat heute geschlossen

Josip Harapin ist ein junger Unternehmer, er wartet vor dem Kino „Europa“ in der Innenstadt. Nebenan wird gebaut, „Europa“ hat heute geschlossen. Im nächsten Café erzählt Harapin von der Druckerei, die er mit sieben Angestellten betreibt. Er spricht viel über die Krise. Erzählt, dass einige seiner Freunde bereits seit einigen Jahren im Ausland leben, weil sie in Kroatien keine Arbeit fanden. Kann er sich auch vorstellen, wegzugehen? Nein, sagt Harapin, er mag sein Unternehmen, will es gern ausbauen, mehr Angestellte einstellen. „Mehr Aufträge aus dem europäischen Ausland, aus Italien zum Beispiel, wären schön“, sagt er.

Optimistisch: Unternehmer Harapin

Sein Telefon klingelt alle fünf Minuten. Manche Anrufe drückt er weg, bei anderen entschuldigt er sich mit höflichem Lächeln: Dürfe er den Anruf kurz annehmen, es sei wichtig, geschäftlich. Er arbeite mehr als zehn Stunden am Tag, sagt er. Das Geschäft läuft, und trotzdem ist kein Geld in der Kasse. Momentan stehen bei Harapin Rechnungen von sechs Monaten aus, alle von kroatischen Auftraggebern. Die könne er jetzt schneller verklagen, dank eines neuen Gesetzes durch den EU-Beitritt, sagt er. Was müsste sich in Kroatien noch ändern, damit Unternehmer wie er von ihren Firmen leben können? Harapin seufzt. „Die Korruption“, sagt er und erzählt, wie er sich für öffentliche Ausschreibungen beworben habe. Der Bearbeiter habe angeboten, ihm den Zuschlag zu geben, unter der Bedingung, dass Harapin ihm einen größeren Teil des Gewinns zahle. Der Unternehmer hatte abgelehnt. Er wolle sein Geld ehrlich verdienen, sagt er.

Momentan zahle nur ein Unternehmen pünktlich: das neue Informationszentrum, dass zum EU-Beitritt Kroatiens eröffnet wurde. Es ist ein kantiger Bau mit Glasfassade, dessen Fenster ungleichmäßig mit weißer Farbe ummalt sind. Es sieht aus, als hätte ein ungeschickter Sprayer versucht, Wolken zu malen. Davor flattern die europäischen Fahnen, an deren Fuß liegt ein sechszackiger Stern. Das Beitrittsdatum „1. Juli“ ist eingraviert. Manchmal turnen Kinder über den glatten Marmor des Sterns. Manchmal sitzt ein Arbeiter auf einem Sternarm und kaut sein Pausenbrot. Hat sich mit dem EU-Beitritt etwas verändert? Die meisten zucken auf diese Frage mit den Schultern: „Eigentlich nicht.“

Sehen und gesehen werden

Vor wenigen Monaten hat Kroatien ein System eingeführt, um seine Mehrwertsteuer besser eintreiben zu können. Auf den Wochenmärkten soll es nun beispielsweise elektronische Belege über die gekauften Waren geben. Bislang tauschten die Händler einfach Obst oder Gemüse gegen Geld. Kein Beleg, kein Nachweis für die Steuern. Der größte Markt in Zagreb heißt Dolac. Bereits auf den Stufen hinauf zu den Marktständen riecht es nach Lavendel, Honig und Feigen. Einen elektronischen Kassenbeleg stellt nur ein einziger Händler aus.

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