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José Sócrates : Der genetische Code des Erfolgs

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Vor fünfzig Jahren hätten sich nur wenige träumen lassen, dass es Europäer gemeinsam einmal so weit bringen würden. Inzwischen haben wir die meisten der Ziele, die wir uns in den fünfziger Jahren gesteckt hatten, erreicht.

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          Vor fünfzig Jahren hätten sich nur wenige träumen lassen, dass es Europäer gemeinsam einmal so weit bringen würden. Inzwischen haben wir die meisten der Ziele, die wir uns in den fünfziger Jahren gesteckt hatten, erreicht. Nun werden ständig neue Ansprüche an die Gemeinschaft herangetragen. Aus diesem Grund ist das europäische Haus größer, weitläufiger und verwinkelter geworden. Zugleich wächst die Bedeutung unseres gemeinsamen Projekts für den Kontinent und die Welt ständig.

          Portugal trat der EWG vor zwanzig Jahren bei, und auch wenn es kein Gründungsmitglied der EWG war, so war Portugal doch ein Gründungsmitglied des entstehenden europäischen Gemeinwesens. Portugal gehört der Währungsunion an und nimmt am Schengen-Abkommen teil; es hat die Lissabon-Strategie lanciert und gefördert. Von Beginn an war Portugal an der Spitze der europäischen Integration; es war dabei, wann immer es um die Vertiefung des europäischen Projektes ging, und hat sich bemüht, dessen einzigartiges politisches Wesen zu bekräftigen.

          Wir sind entschlossen, auch weiterhin einen aktiven Beitrag zu diesem Projekt für Frieden und Stabilität, für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu leisten. Unsere Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2007 bietet eine einzigartige Chance, unser Engagement für diese gemeinsamen Ziele zu bekräftigen. Und: Wir wollen das europäische Projekt noch besser in die Lage versetzen, gemeinsame Herausforderungen anzugehen.

          Vieles von dem, was im Rahmen der EU erreicht worden ist, wird heute für selbstverständlich gehalten. Im Zeitalter der Globalisierung können wir nur bewahren, was Europa ausmacht, wenn Europa als Einheit auftritt; die Mitgliedstaaten alleine können wenig bewirken. Wir brauchen eine europäische Antwort auf die Herausforderungen, welche die frühen Jahre der Integration prägten: Frieden, Sicherheit und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Wir brauchen aber auch eine Antwort auf neue Herausforderungen, etwa jene, vor die uns die Wissensgesellschaft stellt, der Klimawandel oder die Frage, wie wir unser Sozialmodell den neuen Realitäten anpassen. Wenn Europa an der Globalisierung wachsen soll, ist es notwendig, auf der nationalen wie der europäischen Ebene für Reformen zu werben, wie sie in der Lissabon-Strategie vorgezeichnet sind. Die Zukunft Europas kann nur gelingen, wenn wir an den grundlegenden Zielen festhalten - am genetischen Code dieses Projekts, der das Geheimnis seines Erfolges ist: Solidarität, Zusammenhalt, Offenheit und die gemeinschaftliche Methode dürfen nicht verlorengehen. Unsere gemeinsamen Errungenschaften müssen verstärkt und weiterentwickelt werden. Reformen sind auch notwendig, um in einer sich wandelnden Welt unsere Werte zu bewahren.

          Die kommenden Jahre werden unsere Entschlossenheit, gemeinsam an Europa weiterzuarbeiten, auf die Probe stellen. Die Fundamente sind gelegt und jedem zugänglich, durch unsere Werte und unsere gemeinsame Politik, durch unsere Präsenz in der Welt. Möge dieses Jubiläum in den Europäern ein Gefühl für die Geschichte wecken; nur so können wir die Herausforderungen der Gegenwart bewältigen - Herausforderungen, die einem angesichts der gigantischen Erfolge der vergangenen 50 Jahre winzig vorkommen.

          Ministerpräsident von Portugal

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