https://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/irak-krieg-powell-schandfleck-meiner-karriere-1255325.html

Irak-Krieg : Powell: „Schandfleck meiner Karriere“

  • Aktualisiert am
2003: Powell im UN-Sicherheitsrat

2003: Powell im UN-Sicherheitsrat Bild: dpa

2003 sprach der frühere amerikanische Außenminister Powell vor dem UN-Sicherheitsrat über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen. Nun hat er diesen Auftritt bedauert: „Es gab Leute beim Geheimdienst, die zu der Zeit wußten, daß einige der Quellen nicht verläßlich waren.“

          2 Min.

          Der frühere amerikanische Außenminister Colin Powell hat in einem Fernsehinterview seinen Auftritt im UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 im Vorfeld des Irak-Kriegs bedauert.

          Dem Sender ABC sagte Powell, er fühle sich „furchtbar“ wegen seiner Argumentation, die sich später als unhaltbar herausgestellt habe. Powell hatte damals die Vereinten Nationen über die angeblich existierenden irakischen Massenvernichtungswaffen und die daraus resultierenden Bedrohung der Welt durch das Regime von Saddam Hussein informiert.

          „Es war schmerzlich. Es ist jetzt schmerzlich“

          Dies sei ein „Schandfleck“ in seiner Karriere, sagte Powell. Schließlich sei er es gewesen, der für die Vereinigten Staaten der Welt diese Argumentation präsentiert habe. Das werde immer Teil seines Lebenslaufes sein. „Es war schmerzlich. Es ist jetzt schmerzlich“, sagte Powell in dem Interview, das am Freitag abend ausgestrahlt werden soll.

          Vor dem UN-Sicherheitsrat hatte der damalige amerikanische Außenminister unter anderem Satellitenfotos von Lastwagen mit angeblichen mobilen Biowaffen-Labors präsentiert. Zudem hielt er ein kleines Reagenzglas hoch um zu demonstrieren, welch kleine Menge Bakterien für einen verheerenden Biowaffenangriff ausreicht.

          „Ich wurde enorm enttäuscht

          Im Vorfeld seiner Rede hatte Powell fünf Tage im Hauptquartier des amerikanischen Geheimdienstes CIA verbracht und Geheimdienstberichte studiert. Viele davon stellten sich später als falsch heraus. Nach der Invasion hatten amerikanische Waffeninspekteure keinerlei Belege für die Existenz von atomaren, biologischen oder chemischen Waffen im Irak gefunden.

          Den damaligen CIA-Direktor George Tenet treffe allerdings keine Schuld, dieser sei selbst von der Korrektheit der Informationen überzeugt gewesen. „Es gab Leute beim Geheimdienst, die zu der Zeit wußten, daß einige der Quellen nicht verläßlich waren, und sie haben nichts gesagt. Das hat mich vernichtet,“ sagte Powell: „Ich wurde enorm enttäuscht.“

          Powell: Hätten „einige Dinge anders“ machen sollen

          Er habe keinerlei Beweise gesehen, die einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Irak unter dem damaligen Machthaber Saddam Hussein und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten nahelegten, sagte der ehemalige Außenminister. Zu den Entwicklungen nach dem Sturz Saddam Husseins äußerte Powell sich skeptisch.

          Die Vereinigten Staaten hätten es versäumt, unmittelbar nach dem Sturz genug Soldaten zu schicken und die irakischen Streitkräfte rasch wieder aufzubauen. „Es wäre vielleicht nicht so ein Durcheinander geworden, wenn wir einige Dinge anders gemacht hätten“, räumte er ein. Powell galt stets als Gegner des amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

          Besorgt zeigte sich Powell über die Möglichkeit eines Bürgerkriegs im Irak. Die Vereinigten Staaten hätten die Verpflichtung, den Irak als Gesamtstaat zu erhalten. Dafür müßten die Sunniten in den politischen Neuaufbau einbezogen werden. Es dürfe nicht passieren, daß sich „ein Mini-Staat im Norden, ein größerer Mini-Staat im Süden und eine Art Nichts in der Mitte“ herausbilde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auch mit 40 Werten auf einem guten Weg: Der Dax in Frankfurt

          Neuer Höchststand : Zinseuphorie trägt den Dax

          Erstmals fällt die 17.000-Punkte-Marke. Wie geht es weiter? Herrscht aktuell zu viel Begeisterung, die blind macht für Risiken?
          Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán beim EU-Gipfel.

          EU-Gipfel berät über Ukraine : Einfach einmal kurz rausgehen

          Die Europäische Union eröffnet Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und dem Nachbarland Moldau. Ungarns Regierungschef Viktor Orbán gibt seinen Wiederstand gegen Kiew auf – mit einem Manöver, das verblüfft.
          Die beiden Notenbankchefs Christine Lagarde und Jerome Powell sehen sich einer schwierigen Lage gegenüber.

          Inflation : Vorurteilsfreier Blick

          Die Geldpolitik ist in einer kritischen Phase. Jetzt zählt nicht Rechthaberei, sondern ein vorurteilsfreier Blick. Die EZB sollte die Zinsen erst einmal da lassen, wo sie sich gerade befinden.