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Interview mit Alexis Tsipras : Und willst du nicht mein Bruder sein

Die Pressesprecherin von Alexis Tsipras schrieb eine Mail mit einer Beschwerde an unseren Herausgeber Bild: Reuters

Acht Minuten oder fünf Fragen lang dauert es, dann beendet Griechenlands Oppositionsführer Alexis Tsipras ein Interview und wirft mich hinaus. Die Geschichte einer Kommunikationsstörung.

          6 Min.

          Am 21. Juli veröffentlichte die Athener Zeitung „Avgi“ (Morgenröte) einen Bericht, der so begann: „Die F.A.Z. ist eine der größten und renommiertesten Zeitungen Deutschlands. Daher ist es logisch, dass sie sich für die Entwicklungen in Griechenland interessiert und darüber berichtet. Ihr Berichterstatter für Griechenland und den Balkan, M. Martens, scheint aber von dem Stil eines Prokonsuls inspiriert zu sein, mit welchem seine Landsleute, Politiker sowie Funktionäre der Troika, aufzutreten pflegen, wenn sie in den Büros der griechischen Regierung herumspazieren.

          Michael Martens
          (tens.), Korrespondent/in

          Er glaubte wohl, ein solches Auftreten werde auch von allen anderen geduldet. Daher dachte er, der Oppositionsführer sei allgemein sogar für Interviews politisch verantwortungsloser Natur verfügbar...“ Der Oppositionsführer ist Alexis Tsipras, Chef der griechischen Linkspartei Syriza, der größten Oppositionsfraktion in Athen. „Avgi“ ist seine Parteizeitung, sozusagen der „Bayernkurier“ von Syriza.

          Was die Leser aus dem Bericht nicht erfuhren: Tsipras hatte dieser Zeitung ein Interview gegeben, es aber nach sieben Minuten und fünfzig Sekunden (respektive der fünften Frage) abgebrochen und den Journalisten hinausgeworfen. Dazu schrieb Danae Badogianni, Tsipras’ Pressesprecherin, in einer E-Mail an einen der Herausgeber dieser Zeitung (Betreff: „Beschwerdeschreiben im Auftrag von Alexis Tsipras zum abgebrochenen Interview mit der F.A.Z.“), der Fragesteller habe „die Grenzen journalistischer Arbeitsethik weit überschritten“, er arbeite mit „Gerüchten, Aussagen Dritter und ungeprüft übernommenen Informationen“. Da er der „Klatschpresse“ keine Interviews gewähre, habe Tsipras sich „genötigt“ gesehen, das Gespräch abzubrechen.

          Dass ein Politiker ein Interview beendet und den Journalisten hinauswirft, ist in Ordnung. Kein Journalist hat ein Grundrecht auf Interviews. Bei den „Gerüchten, Aussagen Dritter und ungeprüft übernommenen Informationen“ handelt es sich allerdings um Aussagen von Tsipras selbst. Sie sind auf der Internetseite seiner Partei und in „Avgi“ zu finden.

          Hier aber zunächst ein Transkript der Audioaufnahme des Interviews in einer Übersetzung aus dem Griechischen. Es handelt sich um eine unredigierte, wortgetreue Rohfassung des Gesagten.

          Die erste Frage ist vielleicht, zugegeben, eine seltsame erste Frage für ein Interview, aber Sie werden später verstehen, warum ich sie gestellt habe. Würden Sie sich als humorvollen Menschen beschreiben?

          „Als humorvoll?“

          Ja, als humorvollen Menschen. Als Menschen, der einen Sinn für Humor hat.

          „Es ist schwer, sich selbst zu beschreiben. Aber ich glaube, ich habe Sinn für Humor, auch wenn ich nicht pflege, mich selbst zu loben.“

          Verstehe. Der Grund, warum ich das frage, sind die Karikaturen in „Avgi“. Zum Beispiel hatten Sie am 14. April dieses Jahres in der Syriza-Zeitung eine Karikatur, in der Hitler in der Hölle zu sehen war, am Telefon, und er sagte: „Angela, bist du es? Du wirst doch den Griechen kein Geld geben?“ Und sie antwortete: „Nein, natürlich nicht, wir stehen nur in Ihrer Schuld, mein Führer!“ Finden Sie das lustig? Können Sie darüber lachen?

          „Ich muss zugeben, dass ich das nicht gesehen habe. Aber ich glaube, dass es im Rahmen der Satire keine Zensur geben darf. Wir müssen einsehen, dass humoristische Karikaturen, die von allen Seiten veröffentlicht wurden, sowohl im ,Focus‘ als auch im ,Spiegel‘ oder in griechischen Zeitungen, häufig von einem feinen Sinn für Humor gekennzeichnet sind, der aber den politisch korrekten Gedanken, die wir in den Beziehungen der beiden Völker haben müssen, oft Unrecht tut.“

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