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Griechische Schuldenkrise : Merkel-Vertrauter: Notfalls auch ein Grexit

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Die parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion, Michael Grosse-Brömer und Michaela Noll: Wird der Grexit zur Option? Bild: dpa

Er sucht gewöhnlich nicht den Konflikt mit der Kanzlerin: Falls Athen kein solides Reformpaket vorlege, sei „ein Grexit notfalls hinzunehmen“, sagt Michael Grosse-Brömer. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion überschreitet bewusst die rote Linie.

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          „Falls ein solides Reformpaket nicht vorgelegt wird, dann ist notfalls ein Grexit hinzunehmen“, hat Michael Grosse-Brömer gesagt. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist - seiner Funktion entsprechend - ein Politiker, der nicht zu politischen Alleingängen neigt, der lieber weniger als zu viel sagt, und schon gar nicht, wenn er in einen Konflikt mit den Sprachregelungen der „Chefin“ Angela Merkel geraten könnte.

          Am Dienstag aber ging er abermals, wie schon am Sonntag, in seiner Wortwahl über die rote Linie hinaus. Grosse-Brömer war der erste aus dem Berliner Kreis führender Unionspolitiker, der die Möglichkeit eines Ausscheidens Griechenlands aus dem Euroraum nicht bloß intern, sondern - in einem Journalistengespräch - auch öffentlich in Erwägung zog. Grexit - das war bisher verbotenes Gelände.

          Kauder: Billiger wird es nicht

          Die Wortwahl der Unionsführung war bis dahin anders. Volker Kauder, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende, am Montag im ARD-Fernsehen, auf die Frage, wie wahrscheinlich ein Grexit sei: „Da kann man im Augenblick gar nichts sagen. Das Ziel ist, dass Griechenland im Euro bleibt. Das wäre insgesamt für den Euro gut, weil wir auch alle gar nicht wissen, was passiert, wenn Griechenland austritt. Billiger wird es auf gar keinen Fall.“

          Das war im Sinne der Bundeskanzlerin. Die sagte am Dienstag: „Ich konzentriere meine ganze Kraft darauf, dabei mitzuhelfen, dass die drei Institutionen mit Griechenland eine Lösung, einen Vorschlag finden, auf dessen Grundlage dann die Verhandlungen in der Eurogruppe auf der Ebene der Finanzminister stattfinden können.“

          Grosse-Brömer habe die Stimmung im Fraktionsvorstand und auch im CDU-Bundesvorstand wiedergegeben, die am Montag getagt hatten, hieß es in der Union. Auch die Wahrscheinlichkeit nehme ab, der europäisch-griechische Streit werde am Ende auf jeden Fall durch eine „politische Lösung“ beigelegt. „Sonderregeln“ für Griechenland, sagte Grosse-Brömer, dürfe es nicht geben. Zudem versicherte er, seine Argumentation liege auf der „Linie der Bundeskanzlerin“.

          Auch Kauder selbst hatte für Klarheit zu sorgen. Kein Wort vom Grexit. Bis zum 30. Juni gebe es genügend Zeit, sagte er, womit er zweierlei deutlich machte. Am Donnerstag werde in Brüssel keine Entscheidung fallen; die Beteiligung des Bundestags werde trotz der nahen Sommerpause gewährleistet sein. „Ich bin da ganz ruhig und gelassen“, sagte der Fraktionsvorsitzende. „Spekulationen“ führten nicht weiter. „Der Geduldsfaden ist stark genug“, fügte er an. „Wir sind eine professionelle Truppe.“ Merkel sagte in der Fraktion: „Ich kann Ihnen nichts Neues in der Sache mitteilen.“ Finanzminister Wolfgang Schäuble nickte. Eine weitere Aussprache gab es nicht.

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