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Griechenland : Hello oder Goodbye?

  • Aktualisiert am

Bild: Wilhelm Schlote

An diesem Sonntag wählen die Griechen. Gewinnt die radikale Linke, könnte das Land den Euro verlieren. Darauf sind alle vorbereitet. Unsere Korrespondenten berichten aus Berlin, Frankfurt, Paris, Brüssel, Washington und Athen.

          Berlin: Der Präzedenzfall

          Am Ende war es Frau Merkel doch zu riskant. Tagelang hatten Berliner Regierungskreise die Einschätzung verbreitet, es sei kein Problem, wenn in den Schicksalsstunden Europas die wichtigste Regierungschefin mit ihrem Finanzminister im Flugzeug sitze. Auch im Airbus könnten Angela Merkel und Wolfgang Schäuble die Ergebnisse der Wahl in Griechenland zur Kenntnis nehmen, mit Kollegen aus anderen Ländern telefonieren, notfalls gemeinsam Erklärungen verbreiten. Normal arbeiten also.

          Aber eines kann eine Bundeskanzlerin im Airbus nicht: Fernsehteams zusammenrufen und sich beschwichtigend an die Europäer wenden, ganz so, wie sie nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank vor knapp vier Jahren die Sparguthaben der Deutschen garantierte. Sie kann nicht den Ausnahmezustand managen.

          Deshalb ist es keine beruhigende Nachricht, dass Angela Merkel und andere europäische Regierungschefs an diesem Sonntag um 18 Uhr deutscher Zeit unbedingt am Boden sein wollen. Dann also, wenn in Griechenland die Wahllokale schließen. Was ist, wenn dort Alexis Tsipras die Wahl gewinnt - der Mann, der die Sparauflagen der Europäischen Union einseitig aufkündigen will? Setzt er dann die Kettenreaktion in Gang, vor der sich seit zwei Jahren alle fürchten? Muss die Politik dann reagieren, bevor um zwei Uhr früh in Tokio die Börse öffnet?

          Bloß keine Panik. „Biorhythmische Gründe“ sind es, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert, die seine Chefin entdeckt haben will. Es sei angenehmer, „nach durchflogener Nacht am frühen Montagmorgen einzutreffen“. Auch könne man dank des späten Abflugs „das Ergebnis des Fußballspiels noch am Boden mitbekommen“. Was das Ergebnis der Wahl und die Folgen betrifft, hat die Kanzlerin seit Wochen vorgebaut. Landauf, landab redet sie von der „politischen Union“ Europas, die jetzt dringend kommen müsse, schon Ende Juni wollen die Staats- und Regierungschefs auf dem Brüsseler EU-Gipfel Beschlüsse fassen. Die Botschaft ist klar: Egal, was in Griechenland passiert - der Rest Europas bleibt zusammen.

          Am 1. Juli soll zudem der europäische Krisenfonds ESM seine Arbeit aufnehmen, auch das ist jetzt auf einmal ganz dringlich. Damit es so kommt, lässt sich Merkel auf die Wünsche der heimischen Opposition ein, will auf dem EU-Gipfel am 28. und 29. Juni brav den Wunsch nach einer Steuer auf Finanzgeschäfte vortragen, um anschließend in Berlin das ESM-Gesetz zu beschließen.

          Aufhorchen ließ allerdings ein Satz, der herausstach aus Merkels routinierter Europa-Rhetorik. Am Dienstag, vor dem Wirtschaftsrat der Unionsparteien im Berliner Hotel Intercontinental, sagte die Kanzlerin: „Die Frage, ob Griechenland sein Programm einhält oder nicht, ist auch die Frage, was in Europa überhaupt noch eingehalten wird.“ Merkel erklärt Griechenland zum Präzedenzfall. Dass das Land sein Sanierungsprogramm nicht einhalten kann, egal mit welcher Regierung: das scheint jetzt schon klar zu sein.

          Das macht die Sache so kompliziert für die Kanzlerin. Auf der internationalen Bühne wächst der Druck auf sie, noch mehr deutsches Geld in die Bekämpfung der Krise zu pumpen. Doch in Deutschland und vor allem in ihrer eigenen Partei geht der Druck genau in die andere Richtung.

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