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Grexit-Debatte : EU-Parlamentarier liest Tsipras die Leviten

Bild: F.A.Z., ALDEGroup

Es ist eine heftige Wutrede, die der Europaabgeordnete Guy Verhofstadt dem griechischen Ministerpräsidenten ins Gesicht schleudert. Gut sieben Minuten lang redet sich der Liberale in Rage.

          2 Min.

          Satz um Satz redet sich der belgische Europaabgeordnete Guy Verhofstadt in Fahrt. Es ist Mittwoch, und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras besucht das Europaparlament in Straßburg. Mit zunehmend versteinerter Miene sitzt Tsipras da, während Verhofstadt, der Vorsitzende der liberalen ALDE-Fraktion, ihm seine Kritik entgegenschleudert. Das Video davon wird auch am Donnerstag noch in den Sozialen Medien die Runde machen.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          „Sie sagten, die Griechen hätten enorme Anstrengungen unternommen, und das ist wahr“, beginnt Verhofstadt noch recht zahm. „Aber das Problem ist, dass die politische Klasse sich nicht genug angestrengt hat im Fall Griechenland. Das ist heute das Problem!“ Er sei wütend, so Verhofstadt, „weil Sie über Reformen sprechen, aber wir niemals konkrete Vorschläge für Reformen sehen“. Applaus brandet auf.

          Zum Faustkampf bereit

          Europa bewege sich auf den Grexit zu, sagt Verhofstadt, und die griechischen Bürger müssten die Rechnung dafür zahlen. „Wenn wir das verhindern wollen, gibt es nur einen möglichen Ausweg, und das wissen Sie ganz genau. Der einzig mögliche Weg ist, dass Sie in den kommenden Tagen, in den nächsten 48 Stunden, mit einem glaubhaften Reformpaket anrücken.“ Damit meine er nicht ein bloß nebulöses Bekenntnis gegen Klientelismus, ruft Verhofstadt, mittlerweile sichtbar in Rage.

          „Lassen Sie mich Ihnen die fünf Dinge nennen, die Sie tun müssen“, doziert Verhofstadt. „Ich wäre sogar bereit, nach Athen zu kommen, um das mit Ihnen zu diskutieren.“ Dabei ballt Verhofstadt die Fäuste, als wolle er gleich mit Tsipras in den Ring steigen.

          Verhofstadt sagt dem griechischen Ministerpräsidenten ins Gesicht, er solle das System des Klientelismus endlich abschaffen, und zwar mit konkreten Gesetzen, statt sich dieses Systems zu seinem eigenen Vorteil zu bedienen und Syriza-Parteifreunden öffentliche Posten zuzuschustern. „Ich weiß, dass das schwierig ist für die Linke, aber es muss einfach getan werden“, ruft Verhofstadt, der dabei zappelt, als stünde er unter Strom. Außerdem solle Tsipras die öffentlichen Banken reformieren, Märkte und Berufe öffnen, die jungen Griechen verschlossen seien, sowie die zahlreichen Privilegierungen beenden. Er benennt die Privilegien der Reeder, der Militärs, der griechisch-orthodoxen Kirche, der Inseln und der politischen Parteien. „Packen Sie das alles in ein Paket und legen Sie es auf den Tisch“, so Verhofstadt. „Ich bin mir sicher, dass wir auf der europäischen Seite dann bereit sind und eine Lösung finden.“

          „Sie haben sogar ein Doppelmandat“

          Und: „Sie können das tun, denn es gab niemals in Griechenland einen Ministerpräsidenten, der so viel Rückhalt hatte wie Sie. Sie haben sogar ein Doppelmandat: Sie haben die Wahl gewonnen und das Referendum.“

          Schließlich appelliert Verhofstadt an Tsipras' Geschichtsbewusstsein: „Sie haben die Wahl: Wie wollen Sie erinnert werden? Als ein Wahlunfall, der sein Land verarmen lässt? Oder wollen Sie als ein wahrer revolutionärer Reformer erinnert werden?“

          Als Verhofstadt seine Rede beendet und sich setzt, brandet wieder Applaus eines großen Teils der Parlamentarier auf. Tsipras, der die ganze Zeit mit ernster Miene zugehört hatte, wirkt nun gelöst. Er lässt sich sogar zu einem Lächeln hinreißen, bevor er sich anschickt, die Rede zu erwidern.

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