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Gauck in Brüssel : Aufruf zu mehr Europa

Bundespräsident Gauck und EU-Kommissionspräsident Barroso versichern sich in Brüssel biographischer Gemeinsamkeiten: Weil beide in einer Diktatur gelebt haben, bedeute das geeinte Europa ihnen Freiheit. Bild: dpa

Bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel hat Bundespräsident Gauck die europäische Einigung „uneingeschränkt“ bejaht. EU-Kommissionspräsident Barroso dankte Gauck für seinen „mutigen Aufruf“ zu mehr Europa.

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          Bundespräsident Gauck hat am Dienstag in Brüssel hervorgehoben, dass Deutschland die europäische Einigung „uneingeschränkt“ bejahe. Nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Barroso sagte er, nicht nur die deutsche Politik, sondern auch die Bevölkerung „weiß um die Bedeutung und den Wert“ der EU.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach einer Phase der Skepsis im Jahr 2008 sei im Volk wieder die Bereitschaft gewachsen, der EU zuzustimmen. Das sei den jüngst ausgehandelten neuen europäischen Verträgen zu verdanken, die mehr Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Berechenbarkeit in die EU gebracht hätten. Das mache es der deutschen Bevölkerung leichter, Ja zur Solidarität zu sagen.

          „Mehr Europa wagen“

          Gauck wollte seinen raschen Antrittsbesuch in Brüssel, der ihn auch zu Nato-Generalsekretär Rasmussen und dem belgischen Ministerpräsidenten Di Rupo führte, als Bekräftigung seiner Forderung verstanden wissen, „mehr Europa zu wagen“.

          Da sei er mit Bundeskanzlerin Merkel einer Meinung. Gerade in schwierigen Zeiten solle man sich nicht von Angst leiten lassen, denn die mache kleine Augen und ein enges Herz. Man dürfte sich nicht von der Aussicht verlocken lassen, das Projekt Europa zu verlassen oder zurückzugehen, auch wenn „Populisten“ den Leuten einzureden versuchten, die EU habe keine Zukunft.

          Er wünsche sich die Vereinigten Staaten von Europa, sehe sie aber im Augenblick noch nicht kommen, da die Menschen ihren nationalen Identitäten sehr stark verhaftet seien. Fürs erste gehe es darum, „bei nationaler Beheimatung“ mehr Kompetenzen an die EU zu übertragen, etwa in der Außenpolitik.

          Barroso dankt für „mutigen Aufruf“

          Gauck und der Portugiese Barroso fanden in ihrem Gespräch nach eigener Auskunft biographische Gemeinsamkeiten, weil beide in einer Diktatur gelebt haben und das geeinte Europa ihnen deshalb Freiheit bedeute. „Von den Rändern Europas wird das ernster genommen als im Zentrum“, sagte Gauck, der sich als Bürger bezeichnete, für den es „aus dem Osten Europas nach Europa“ ein weiter Weg gewesen sei.

          Barroso dankte Gauck für seinen „mutigen Aufruf“ zu mehr Europa in deutscher Sprache, was der Bundespräsident als „persönlichen Blumenstrauß“ empfand. Gauck reiste am Nachmittag ins Europäische Parlament nach Straßburg, wo er Parlamentspräsident Schulz und deutsche Europaabgeordnete treffen wollte. Die Fahrt nach Brüssel und Straßburg war seine zweite Auslandsreise nach seinem Antrittsbesuch in Polen.

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