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Nach Suspendierung aus Partei : Le Pen verstößt seine Tochter

„Absolut skandalös“: Jean-Marie Le Pen über das Verhalten seiner Tochter Marine, die sich von dessen antisemitischen Äußerungen distanziert hat. Bild: AFP

Jean-Marie Le Pen schäumt vor Wut: Im Radio brach der Front National-Gründer öffentlich mit seiner Tochter. Er möchte nicht einmal mehr, dass Marine seinen Nachnamen trägt. Doch kann er damit sein Ausscheiden aus der Partei verhindern?

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          „Mit allen Mitteln“ will sich Jean-Marie Le Pen dagegen wehren, aus der rechtsextremen Partei Front National (FN) verdrängt zu werden. Das bekundete der 86 Jahre alte Gründer und Ehrenpräsident am Dienstagmorgen im Radio. Er sprach von „Verrat“ und „Schande“ und hob hervor, Marine Le Pen dürfe nicht zur französischen Staatspräsidentin gewählt werden. „Wenn derartige moralische Prinzipien an der französischen Staatsspitze herrschen sollten, wäre das skandalös“, sagte Le Pen. Marine Le Pen habe ihren Vater und den Parteigründer „absolut skandalös“ behandelt. Sie sei nicht mehr würdig, den Namen Le Pen zu tragen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auf Rückfrage bestätigte Le Pen, dass er seine jüngste Tochter „verstößt“. Schon vor 17 Jahren hatte er im politischen Streit mit seiner ältesten Tochter Marie-Caroline gebrochen und seither kein Wort mehr mit ihr gewechselt. Nun äußerte er den Wunsch, dass auch seine jüngste Tochter Marine „so schnell wie möglich“ den Namen Le Pen ablege.

          „Sie kann ihren Lebensgefährten heiraten oder vielleicht Monsieur Philippot oder jemand anders“, sagte er in kaum verhohlener Gehässigkeit. Die Homosexualität des stellvertretenden Parteivorsitzenden Florian Philippot war kürzlich von einem französischen Magazin enthüllt worden. Marine Le Pen solle als Marine Aliot oder Marine Philippot in den Präsidentenwahlkampf 2017 ziehen. „Das wäre eine große Erleichterung für mein Gewissen.“

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          Le Pen sieht „Komplott“ seiner Tochter

          Le Pen nannte den Beschluss des verkleinerten Parteivorstands („bureau exécutif“) vom Montagabend das Ergebnis eines „wahrhaftigen Komplotts“. Marine Le Pen habe sich mit Leuten umgeben, die ihn loswerden wollten. Der verkleinerte Parteivorstand hatte am Montagabend nach langen Beratungen entschieden, Jean-Marie Le Pens Parteimitgliedschaft zu suspendieren und binnen drei Monaten eine Urabstimmung per Briefwahl zu organisieren.

          Ziel der Mitgliederbefragung ist eine Änderung der Parteisatzung. Der Posten des Ehrenpräsidenten, der 2010 für den Parteigründer eingeführt worden war, soll abgeschafft werden. In einem Kommuniqué am Montagabend hieß es, geplant sei eine „komplette Erneuerung“. Le Pen nannte das Verfahren per Briefwahl am Montag „einen Witz“. Nur ein anständiger Parteitag könne darüber entscheiden, ihm die Ehrenpräsidentschaft zu entziehen. Er erwäge rechtliche Schritte gegen das Verfahren.

          Der Entscheidung des verkleinerten Vorstands war eine Abstimmung des Parteivorstands vorangegangen. Mit einer Mehrheit von vierzig Stimmen bei einer Enthaltung und drei Gegenstimmen (Jean-Marie Le Pen, Bruno Gollnisch und Alain Jamet) entschied der Vorstand, Marine Le Pen die „volle Unterstützung“ auszusprechen.

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          Marion Maréchal-Le Pen, die Enkelin und Abgeordnete, schlug sich demnach auf die Seite ihrer Tante. Am Dienstag teilte die 25 Jahre alte Frau mit, sie wolle nicht „zur Geisel“ des Familienkonflikts werden. Sie erbitte sich eine Bedenkzeit, ob sie als Spitzenkandidatin bei den Regionalwahlen im Dezember in der Mittelmeerregion „Provence-Alpes-Cote d’Azur“ antrete.

          Der FN-Vorstand distanzierte sich in einem Kommuniqué von „den Kommentaren und Positionen des Ehrenpräsidenten, insbesondere den Äußerungen in der Zeitung ,Rivarol‘“. Le Pen hatte in „Rivarol“ die Gaskammern von neuem als „Detail der Geschichte“ bezeichnet und das französische Kollaborationsregime unter Marschall Pétain beschönigt. Das missfiel Marine Le Pen, die sich von den antisemitischen Entgleisungen keinen politischen Vorteil verspricht. Unterstützung erfährt sie dabei vor allem von ihrem Stellvertreter Philippot.

          Am Dienstag griff Ehrenpräsident Le Pen Philippot explizit an. Er bezeichnete den Absolventen der staatlichen Kaderschmiede Ena als „Sozial-Gaullisten“, der nicht die Gesinnung des Front National verteidige, wie sie vierzig Jahre lang bewahrt worden sei. Der Parteigründer behauptete, seiner Tochter seien „Lügen“ erzählt worden. Was derzeit mit dem Front National geschehe, sei schlimmer als alles, was die Regierungsparteien in der Vergangenheit angerichtet hätten, so Le Pen. Der politische Gegner „greift von vorne an, hier aber greift er hinterrücks an“, sagte er. Einen freiwilligen Rückzug oder einen Ruhestand schloss er aus. Als Europaabgeordneter und als Regionalratsmitglied werde er sich weiterhin zu Wort melden.

          Der Europaabgeordnete Bruno Gollnisch, einer der wenigen Verteidiger des Parteigründers, bezeichnete sich am Dienstag als „traurig und bestürzt“. Er interessiere sich vor allem für die Frage, ob der Entzug der Ehrenpräsidentschaft mit einer politischen Kurskorrektur einhergehe. „Ich lese und höre, das Verhalten und die Äußerungen Jean-Marie Le Pens verstießen gegen die Werte des Front National und seine politische Linie. Aber wenn ich nachhake, ob sich die politische Linie geändert hat, beteuert man, nichts habe sich geändert“, sagte Gollnisch. Der frühere Premierminister François Fillon (UMP) sagte am Dienstag, die Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter Le Pen werde „hoffentlich einigen Franzosen die Augen öffnen“.

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