https://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/eu-will-deutschland-weitere-grenzkontrollen-erlauben-14497455.html

Flüchtlingskrise : EU-Kommission will Deutschland weitere Grenzkontrollen erlauben

  • Aktualisiert am

Ein Polizeibeamter beobachtet an der Anschlussstelle Bad Reichenhall den Grenzübergang von Österreich nach Deutschland. Bild: dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat bei der europäischen Kommission beantragt, die Grenzkontrollen im Schengenraum zu verlängern. Dem will die Kommission jetzt zustimmen – allerdings nur für eine gewissen Zeit.

          1 Min.

          Die EU-Kommission will eine nochmalige Verlängerung der Grenzkontrollen Deutschlands wegen der Flüchtlingskrise bis Mitte Februar erlauben. Die Behörde schlug am Dienstag in Straßburg vor, die Kontrollen an den inneren Grenzen des Schengenraums durch derzeit insgesamt fünf Länder um weitere drei Monate zu verlängern. Trotz einer „allmählichen Stabilisierung der Lage“ sind demnach die Bedingungen für die Aufhebung „noch nicht vollständig erfüllt“.

          Dem Vorschlag müssen noch die EU-Mitgliedstaaten zustimmen. Kontrollen gelten wegen der Flüchtlingskrise derzeit in Deutschland, Österreich, Dänemark, Schweden und Norwegen. Die EU-Kommission hat die Kontrollen bisher bis zum 11. beziehungsweise 12. November erlaubt. Ihr ursprünglicher Plan war es, bis zum Jahresende wieder ein normales Funktionieren des Schengen-Raums ohne innere Grenzkontrollen zu erreichen.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte vergangene Woche gemeinsam mit anderen EU-Staaten bei der Kommission beantragt, die Grenzkontrollen über Mitte November hinaus zu verlängern. Auch wenn sich die Lage an den Binnengrenzen entspannt habe, sei sie noch immer „äußerst fragil“, erklärte der Minister. Die Lage an den EU-Außengrenzen werde zudem weiter „mit Sorge“ betrachtet.

          Bundesinnenminister : De Maizière für Verlängerung des Grenzschutzes

          Streit mit Ungarn und Slowenien

          Mit dem Vorschlag blieb die Kommission nun hinter der Möglichkeit zurück, die Kontrollen auf einen Schlag um bis zu weitere sechs Monate zu verlängern. Sie forderte die betroffenen Länder ausdrücklich auf, vor einer Entscheidung über die Beibehaltung der Kontrollen zu prüfen, „ob mit alternativen Maßnahmen die gleiche Wirkung wie mit Grenzkontrollen erzielt werden könnte“.

          Vorausgegangen war ein Streit beim EU-Gipfel vergangene Woche, wo Ungarn und Slowenien ein deutliches Bekenntnis zur Aufhebung der Kontrollen gefordert hatten. Ihren Plänen zufolge sollte in der Schlusserklärung eine „schrittweise Aufhebung“ gefordert werden. Deutschland und die anderen Länder wehrten dies aber ab. In dem Dokument wurde dann nur eine „Anpassung der zeitlich begrenzten internen Grenzkontrollen an die aktuellen Notwendigkeiten“ gefordert.

          Weitere Themen

          Habeck will mehr Fachkräftezuwanderung Video-Seite öffnen

          Regierungserklärung : Habeck will mehr Fachkräftezuwanderung

          Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat in seiner Regierungserklärung vor immensen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft durch Personalmangel gewarnt. Problematisch sei auch die zu hohe Quote an Schulabbrechern.

          Topmeldungen

          Kurzatmig in die Klinik: In der Reha-Klinik in Bad Rothenfelde werden Long-Covid-Patienten mitunter wochenlang behandelt. 44:10

          F.A.Z. Wissen – der Podcast : Schafft das Virus ein Heer von chronisch Kranken?

          Mehr Fokus auf die Krankheitslast als auf Infektionszahlen, heißt es in Berlin. Ist Long-Covid da mit auf der Rechnung? Ein aktueller Überblick, wie impfen schützt, Früherkennung möglich wird und was hartnäckige Viren im Körper anrichten können.
          Großes Aufgebot
 : Die Polizei sichert den Prozess in Dresden – die Angeklagten zählen zum Remmo-Clan.

          Einbruch in Grünes Gewölbe : Ein Clan vor Gericht

          Es war ein spektakulärer Juwelendiebstahl: Vor mehr als zwei Jahren wurde das Grüne Gewölbe ausgeraubt. Nun sind sechs Männer angeklagt. Vieles an dem Fall ist kaum zu fassen.