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EU-Museum : Stolz und Scham

Das Eastman-Gebäude in Brüssel, das zum Museum werden soll Bild: mauritius images

Die EU bekommt in Brüssel ein Haus der Geschichte - nach einer Idee des ehemaligen Parlamentspräsidenten Hans-Gert Pöttering. Das Museum soll sich nicht den Säulenheiligen Europas, sondern dem „täglichen Leben der Menschen“ widmen.

          In Zeiten, in denen viele Bürger an der Zukunft der EU zweifeln, versucht das Europaparlament, sich zumindest der Vergangenheit zu vergewissern. Der Haushaltsausschuss hat im Dezember die erste Tranche für ein „Haus der Europäischen Geschichte“ freigegeben, Ende dieses Jahres sollen die Bauarbeiten in Brüssel beginnen. „Wir schauen auf die EU meist aus der Perspektive des Tages und vergessen den weiten Weg, den wir gegangen sind“, sagte der Europaabgeordnete Hans-Gert Pöttering, als er am Mittwoch den Stand des Projekts darlegte. Es solle ein Ort entstehen, an dem gerade junge Menschen lernen könnten, dass nach Kriegen, Holocaust, Stalinismus und Totalitarismus die Gegenwart nicht naturgegeben sei. „Wenn wir nicht in den Mittelpunkt stellen, was uns verbindet, dann wird die EU großen, großen Schaden nehmen.“

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Das Museum war Pötterings Idee. Er hat es vorgeschlagen, als er 2007 zum Parlamentspräsidenten gewählt wurde, und danach dafür gesorgt, dass es Gestalt annimmt. Da waren in Zeiten des Sparens und der Krise vor allem die Haushaltspolitiker zu überzeugen, denn immerhin kostet der Aufbau des Museums mehr als 56 Millionen Euro, die das Parlament zu tragen hat. In den Mitgliedstaaten seien viel teurere Museen dieser Art gebaut worden, rechtfertigte Pöttering sich am Mittwoch und verwies unter anderem auf das Bonner Haus der Geschichte. Die EU-Kommission habe außerdem versprochen, sich nach der Eröffnung an den laufenden Kosten zu beteiligen.

          Von dem ehemaligen Präsidenten des EU-Parlaments, Hans-Gert Pöttering, stammt die Idee für das Haus der Geschichte der EU

          Ein ansehnliches Domizil hat sich schon gefunden. Das Museum wird in das sogenannte Eastman-Gebäude im Leopold-Park einziehen, gleich neben dem Parlament. Das ist einer der vielen schönen Art-Déco-Bauten in Brüssel, einst als Zahnklinik gestiftet vom amerikanischen Industriellen George Eastman. Das Parlament hat das Haus schon seit langem gemietet, der Umbau und die Erweiterung werden alleine 31 Millionen Euro kosten. Danach sollen 4000 Quadratmeter für eine Dauerausstellung und 800 Quadratmeter für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen.

          Wie das bei EU-Projekten üblich ist, wurde der nötige Sachverstand aus ganz Europa zusammengerufen. Das Konzept wurde unter der Leitung von Hans-Walter Hütter (Haus der Deutschen Geschichte Bonn) erarbeitet, dem wissenschaftlichen Beirat steht Wlodzimierz Borodziej (Universität Warschau) vor. Der polnische Historiker sprach am Mittwoch von einem modernen und attraktiven Museum, das kein Buch sein solle, in dem Ereignisgeschichte erzählt werde, sondern ein Haus, das über das tägliche Leben der Menschen und die Kulturgeschichte Europas berichte. „Es wird weniger um die Taten großer Persönlichkeiten gehen.“ Die Säulenheiligen der EU, von Robert Schuman bis Jean Monnet, dürften aber lobend erwähnt werden.

          Und natürlich wird die europäische Geschichte vornehmlich als Straße in Richtung EU betrachtet, auch das wurde am Mittwoch deutlich. Zum Konzept des Museums gehöre ausdrücklich, nicht die Summe der nationalen Historiographien darzustellen, sondern europäische Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, sagte Borodziej. Deshalb wird der Schwerpunkt auf dem 21. Jahrhundert und der Zeit nach 1945 liegen. Die Jahrhunderte zuvor werden nur kursorisch behandelt. „Christentum, Wissenschaft, Migrationsströme“, nannte Borodziej dafür als Leitthemen.

          Der Wahrheit verpflichtet

          Die vielleicht heikelste Frage wird sein, wie man die Vergangenheit eines Kontinents erzählt, auf dem bis heute mit Geschichte (nationale) Politik gemacht wird. Der Politiker Pöttering versicherte, dass man der Wahrheit verpflichtet sei, auch wenn es eine objektive Geschichte nicht gebe. Der Historiker Borodziej war etwas vorsichtiger und sprach von einer der „Hauptspannungen“ des Projekts. Es sei wohl anhand einzelner Ereignisse immer wieder herauszuarbeiten, dass es verschiedene Perspektiven auf das europäische Geschehen gebe. „Überhaupt wird eine der Hauptfragen sein, ob wir stolz auf unsere Geschichte sein sollen oder uns für die schrecklichen Dinge schämen müssen, die wir einander und den Leuten außerhalb unseres Kontinents angetan haben.“

          Wie stets in Europa wirft die Sprachenfrage Probleme auf. Grundsätzlich wird die Ausstellung in 24 Sprachen angeboten, schließlich wendet sie sich an ein breites Publikum aus allen Mitgliedstaaten. Aber so viele verschiedene Beschriftungen seien genauso unschön wie ein Museum, in dem jeder Besucher mit einem Kopfhörer herumstehe, sagte die Sprachenbeauftragte des Projekts. Stattdessen seien „moderne Technologien für alle Sinne“ und der Einsatz von Symbolen geplant. Letztere Form des Miteinanders kennen die EU-Bürger ja schon von den Euro-Scheinen. Die Eröffnung ist für 2014 geplant.

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