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Juncker im F.A.Z.-Gespräch : „Meine Glaubwürdigkeit ist nicht beschädigt“

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Der Fonds ist offen für Beiträge der Staaten. Gibt es Interessenten?

Ich bin kein Regierungssprecher. Aber ich ermuntere diejenigen, die eine mangelnde finanzielle Ausstattung beklagen, entsprechend Mittel zur Verfügung zu stellen.

Inwieweit kann das Investitionspaket die vielbeklagte Kluft zwischen Europa und den Bürgern verkleinern? In vielen Ländern erhalten Euroskeptiker und Populisten ja erheblichen Zulauf.

Die Populisten haben die Kluft nicht erfunden. Sie nutzen sie. Daher reicht es nicht, den Populismus zu bekämpfen. Es geht darum, den Graben zu verkleinern. Dazu trägt unser Investitionsprogramm bei. Hier geht es um Wachstum und Arbeitsplätze, eine starke Antwort auf die Euroskeptiker.

Aber reicht das aus?

Es sind zumindest Fragen, die die Bürger direkt betreffen. Ich sage keineswegs, dass das Investitionsprogramm ein Allheilmittel ist. Atmosphärisch tut sich jedoch schon etwas. Es geht auch um Transparenz, da die Menschen der EU und ihren Institutionen nicht über den Weg trauen. Viele haben den Verdacht, es gehe dort nicht mit rechten Dingen zu und komme zu krummen Geschäften. Das ist ein ungerechter, aber weitverbreiteter Eindruck, dem man nur durch mehr Transparenz begegnen kann. Ein gutes Beispiel dafür ist die Auseinandersetzung um das Freihandelsabkommen mit Amerika.

Aber fehlt nicht zuweilen das Bewusstsein dafür, wofür Europa auch steht – als Projekt der Aussöhnung, nicht zuletzt zwischen Deutschland und Frankreich?

Ich gehöre einer Zwischengeneration an, deren Väter Soldaten waren. Wir konnten mit unseren Vätern noch über die Tragweite eines nicht existierenden gemeinsamen Europas reden. Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine zeigen, dass die althergebrachte Rechtfertigung für das europäische Projekt wieder hochaktuell ist.

Es genügt aber nicht, sich immer nur auf die Geschichte zu berufen.

Es liegt doch auf der Hand. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten die Europäer ein Fünftel der Weltbevölkerung. Zuletzt waren es 13 Prozent, und gegen Ende des Jahrhunderts werden es nur noch vier Prozent von 10 Milliarden Menschen sein. Wollen die Europäer ihr Gewicht in der Welt wahren oder gar verstärken, dann dürfen sie sich nicht in kleine Teile zerlegen lassen. Das Gebot der Stunde lautet daher, näher zusammenzurücken. Die europäische Einigung muss unumkehrbar sein.

Wie wollen Sie das vermitteln?

Wir müssen besonders jungen Europäern erklären, dass sie sonst in der Welt von morgen nicht mehr zählen werden. Dann werden wir vielleicht auch mit einer Reihe gängiger Vorurteile aufräumen können. Denken Sie an die Abneigung gegen Einwanderer, den Fremdenhass oder das Gefühl: wir schaffen es schon allein. Es geht darum, den Bogen von den Lehren der schrecklichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts bis zu den aktuellen Herausforderungen zu schlagen. Wäre ich nicht Luxemburger, würde ich sagen: Dies ist nicht die Stunde der Kleinstaaterei.

Vom kleineren Luxemburg zum deutlich größeren Vereinigten Königreich. Können Sie sich eine EU ohne Großbritannien vorstellen, das vor mit Spannung erwarteten Unterhauswahlen steht?

Ich kann mir die EU im Sinne von europäischer Politik nicht ohne vorstellen. Großbritannien bringt viel an europäischen Befindlichkeiten ein. Wir streben einen fairen Deal an. Auf die jüngsten Vorschläge von Premierminister Cameron zur Freizügigkeit für Arbeitnehmer haben wir daher vorsichtig reagiert. Wir werden darüber in Ruhe reden müssen.

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