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EU-Beobachter in Georgien : Patrouillen in der „Pufferzone“

  • -Aktualisiert am

Beobachter der EU beraten sich im georgischen Dorf Odzisi Bild: dpa

Nach einem schweren Terroranschlag in Südossetien mit elf Todesopfern hat Moskau die Sicherheitsmaßnahmen in Südossetien und Abchasien verschärft. In der georgischen „Pufferzone“ patrouillieren derweil die Beobachter der EU, die den russischen Abzug überwachen sollen. Unser Korrespondent Michael Ludwig hat sie begleitet.

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          Der hagere Mann in russischer Uniform erweckt nicht gerade den Eindruck, als ob ihm das Wachestehen am Kontrollpunkt Ali nordwestlich von Gori in der sogenannten „Pufferzone“ zur abtrünnigen georgischen Provinz Südossetien Freude bereite. „Wissen Sie, wann wir hier wegkommen?“, fragt er den Fremden aus Moskau.

          Dass er wahrscheinlich nur noch einige Tage auf seinem Posten ausharren muss, bis er wieder nach Hause, ins nordkaukasische Dagestan, zurück kann, zaubert ein Lächeln auf das Gesicht des Soldaten. Mit Schwung winkt er einen Lastwagen aus nördlicher Richtung durch, der mit Sand für den georgischen Wiederaufbau beladen ist und in Richtung Gori davonbraust. Der Kommandeur einer Patrouille der Beobachtermission der EU, ein baumlanger Pole aus Posen (Poznan), zeigt dem Dagestaner Dokumente. Er will mit zwei gepanzerten Fahrzeugen der Patrouille den Kontrollpunkt passieren.

          Sein französischer Kollege von der Gendarmerie Nationale schaut währenddessen mit dem Fernglas durch die getönte Panzerscheibe. Er will wissen, was die Russen auf dem Hügel hinter dem Kontrollposten an Waffen in Stellung gebracht haben und was bis zum 10. Oktober, zehn Tage nachdem die EU-Beobachter in Georgien eingerückt sind, verschwunden sein soll. Der Franzose kommt auf drei Schützenpanzerwagen. Später, auf der Rückfahrt, ist auf der Anhöhe noch ein eingegrabener leichter Panzer zu erkennen.

          Mit blauem Barrett: Ein Soldat der EU-Beobachtermission in Georgien spricht mit einem russischen Soldaten

          Rückzug unter Beobachtung

          Ein russischer Offizier, der die Einheit am Kontrollposten befehligt, schaut sich erst die Dokumente an, dann gibt er sich erstaunt. Natürlich könnten sie passieren, sagt er den unbewaffneten polnischen und französischen Polizeioffizieren in den „EU-Westen“ und blauen Baretten. Am Tag zuvor, dem ersten der EU-Beobachtermission, war das Passieren der russischen Kontrollpunkte nicht überall möglich. In Karaleti,weiter östlich, musste erst ein persönlicher Beauftragter des Oberkommandierenden der russischen Friedenstruppen in Südossetien, Marat Kulachmetow, herbeieilen und ein Machtwort sprechen, bevor die Soldaten am Kontrollpunkt die EU-Beobachter in die Pufferzone ließen. Aber langsam gewöhnt man sich aneinander, nimmt sich gegenseitig hin. Die Russen wissen, dass der von Moskau angekündigte Rückzug aus der Pufferzone beobachtet wird.

          Dass es viele kleine Schritte sind, weiß man im Hauptquartier der EU-Mission in Tiflis. Deren Leiter, der deutsche Diplomat Hansjörg Haber, erläutert in Berijas ehemaliger Sommervilla die Hauptziele der Mission. Vertrauensbildung steht dabei im Augenblick im Mittelpunkt. Wenn die Russen abgezogen sind, soll die Mission auch bei der Rückkehr der georgischen Flüchtlinge helfen. Viele von ihnen leben noch in einem Lager in Gori und frieren nachts erbärmlich. Nach Hause getrauen sich nur Männer, und das nur am Tage, weil es in den Dörfern der „Pufferzone“ nachts noch immer gefährlich ist und von den unbewaffneten EU-Beobachtern keine Hilfe gegen bewaffnete Banden von Osseten zu erwarten ist.

          Westliche Hilfe wird langsam sichtbar

          Das Zusammenwirken von Waffen tragender georgischer Polizei und den EU-Beobachtern mit dem Ziel, Sicherheit zu garantieren, steht vorläufig nur auf dem Papier. Die Zeit dafür kommt erst, wenn sich die Russen zurückgezogen haben. So lange werden die Flüchtlinge noch aushalten müssen. Für die Menschen aus den niedergebrannten und zerschossenen georgischen Dörfern im Norden der südossetischen Hauptstadt Zchinwali, die es am schlimmsten getroffen hat, werden unterdessen entlang der Fernstraße von Tiflis nach Batumi mit Hochdruck neue Häuser gebaut. Im Dezember sollen sie bezugsbereit sein. Die westliche Hilfe für Georgien wird langsam sichtbar.

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