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Einwanderung : Immer mehr Flüchtlinge kommen illegal nach Europa

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Afrikanische Flüchtlinge im Hafen von Piräus - Anfang Mai aufgegriffen nach einem nach Bootsunglück in griechischen Gewässern Bild: AP

Der Druck auf die europäischen Außengrenzen wächst. Seit Januar wurden 42.000 illegale Einwanderer aufgegriffen - dreimal so viele Flüchtlinge wie im gleichen Zeitraum 2013. Die Grenzschützer von Frontex rechnen damit, dass die Zahl im Sommer noch drastisch anwächst.

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          Die illegale Einwanderung nach Europa nimmt stark zu. In den ersten vier Monaten des Jahres wurden an den Außengrenzen der EU rund 42.000 Flüchtlinge aufgegriffen - mehr als dreimal so viele wie im gleichen Zeitraum 2013. Damals waren es lediglich 12.400 Menschen gewesen, teilte die EU-Grenzschutzagentur Frontex am Mittwoch in Brüssel mit. „Wir gehen davon aus, dass im Sommer sehr hohe Zahlen erreicht werden“, warnte der stellvertretende Direktor von Frontex, Gil Arias-Fernandez, und nannte den Zuwachs „drastisch“.

          In Nordafrika, vor allem Libyen, warteten nach Augenzeugenberichten Tausende auf eine Gelegenheit zur Flucht. „Da sich die Sicherheitslage in Libyen verschlechtert, wartet eine wachsende Zahl an Flüchtlingen auf die Gelegenheit, das Land zu verlassen. Das Ziel ihrer Wahl ist die EU“, sagte Arias-Fernandez. Nur im Jahr des Arabischen Frühlings 2011 sei die Flüchtlingszahl bislang höher gewesen.

          Zahl der Flüchtlingsboote steigt weiter

          In den Sommermonaten ist das Wetter besser, so dass sich traditionell in dieser Zeit mehr Flüchtlingsboote über das Mittelmeer nach Europa aufmachen. Sie landen zumeist in Italien oder auch Malta. Dieser Weg ist immer noch die wichtigste Strecke für die illegale Migration. Dort wurden laut Frontex von Januar bis April rund 25.000 illegale Flüchtlinge entdeckt - das ist bereits mehr als Hälfte der 40.000 Aufgegriffenen, die im Gesamtjahr 2013 gezählt wurden. Die meisten stammten aus Syrien und Schwarzafrika.

          Grund für den Zuwachs sind nach Angaben der Grenzschutzagentur Konflikte wie in Syrien sowie die schlechten Lebensbedingungen in vielen afrikanischen Ländern. Viele Menschen wollten in den Industrieländern Europas ein besseres Leben beginnen. Arias-Fernandez forderte, Europa müsse mehr für die wirtschaftliche Entwicklung in den Herkunftsländern tun: „Grenzschutz ist nicht die Lösung.“ Die Zahlen stiegen aber auch deswegen, weil Europa die Kontrollen verstärkt habe - wie etwa das im Dezember 2013 gestartete Kommunikationssystem Eurosur. Damit tauschen Polizei und Küstenwache Informationen über die Bewegung von Booten EU-weit aus.

          Auf dem Weg in eine bessere Zukunft? Aufgegriffene Flüchtlinge vor Lampedusa

          Die EU-Innenminister wollen Anfang Juni bei ihrem Treffen über den Flüchtlingsandrang beraten, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström habe die Staaten angefragt, „was sie konkret tun wollen, um die Mittelmeerstaaten zu unterstützen“. Der Druck auf diese Länder nehme zu. Während es sich früher vor allem um Wirtschaftsflüchtlinge gehandelt habe, gehe es jetzt um Menschen, die vor Konflikten wie in Syrien flüchteten.

          Nach dem jüngsten tödlichen Flüchtlingsunglück vor Italien wies die EU-Kommission erneut Kritik zurück. Italien müsse sagen, was es im Umgang mit den Flüchtlingen konkret von der EU erwarte. Italiens Innenminister Angelino Alfano hatte am Dienstag dazu gesagt: „Die Erklärungen der Kommission sind zwischen Provokation und Lächerlichem. Sie verlangt im Angesicht der Toten Wunschzettel von uns.“

          Ein nordafrikanisches Flüchtlingsboot war am Montag vor der Insel Lampedusa gekentert, mindestens 17 Menschen starben. Die geborgenen Leichen - darunter nach italienischen Medienberichten auch zwei Kinder und zwölf Frauen - und die 200 Überlebenden kamen mit Booten in Sizilien an. Ob noch weitere Menschen vermisst werden, war am Mittwoch unklar. Die italienische Polizei nahm zwei Männer fest, die verdächtigt werden, als Schleuser an dem Schiffbruch beteiligt gewesen zu sein. Ihnen wird mehrfacher Totschlag vorgeworfen. Auch am Mittwoch landeten wieder Boote mit Hunderten Flüchtlingen an Italiens Küsten.

          Papst Franziskus rief dazu auf, die Menschenrechte an die erste Stelle zu setzen und alle Kräfte zu vereinen, um solch „beschämende Tragödien“ in Zukunft zu verhindern.

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