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Drogen : Großer und lukrativer Markt

Unverändert großes Angebot: Kokain in Europa Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Alle Bemühungen der europäischen Drogenfahnder konnten den Rauschgifthandel nicht entscheidend Eindämmen. Und dabei wurde in den letzten Jahren Rekordmengen von Drogen sichergestellt.

          5 Min.

          In der Europäischen Union florieren Herstellung, Handel und Gebrauch von Rauschgift. Zu diesem Ergebnis kommt Europol, die in Den Haag ansässige europäische Polizeibehörde, in ihrem jüngsten Bericht über die Rauschgiftlage in Europa.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          „Alle Anstrengungen in der EU, Angebot und Nachfrage nach Rauschgift zu verringern, haben bisher nicht zu einem deutlichen Rückgang des Drogengebrauchs und einer wirksamen Unterbindung des Nachschubs geführt“, heißt es in dem Dokument, das dieser Zeitung vorliegt. Weil aber die Nachfrage nach Rauschgiften ungebrochen ist, sind Herstellung und Handel mit Drogen „die am weitesten verbreiteten und zugleich lukrativsten Machenschaften organisierter Kriminalität“, so Jörg Mölling, stellvertretender Leiter der Rauschgiftabteilung von Europol.

          Rekordmenge Rauschgift 2004 sichergestellt

          Gleichwohl verzeichnet Europol einige positive Vorkommnisse in der EU. Namhaft gemacht werden die Sicherstellung der Rekordmenge von insgesamt mehr als 1000 Tonnen Rauschgift in der EU im Jahr 2003, beträchtliche Erfolge bei der Ermittlung von Tätergruppen und Strafverfolgung sowie mancherorts der Rückgang des Heroingebrauchs. Viele andere Entwicklungen geben keinen Anlaß zur Beruhigung. So gelangt Heroin trotz tendenziell sinkender Nachfrage weiterhin in großen Mengen nach Europa.

          Ursache sind wiederholte Rekordernten in Afghanistan, wo der Anbau von Schlafmohn seit Ende der Taliban-Herrschaft unter den Augen der amerikanischen und europäischen Besatzungstruppen nicht ab-, sondern zugenommen hat. Von Afghanistan aus gelangt das Rauschgift vornehmlich über die Türkei und den Balkan nach Westeuropa. Fest etabliert hat sich neben dieser sogenannten „Balkanroute“ mittlerweile die „Seidenroute“, die über Zentralasien und Osteuropa in die Europäische Union führt. Staaten wie Rußland, Weißrußland, die Ukraine und die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen dienen dabei nicht nur dem Transit nach Westeuropa, sondern bilden mittlerweile selbst lukrative Rauschgiftmärkte.

          Heroinhandel für ein sebständiges Groß-Albanien

          Kontrolliert wird der europäische Heroinmarkt von international organisierten Gruppen, unter denen türkische und kurdische Organisationen nach wie vor das Sagen haben. Allerdings haben albanische Gruppen ihren Anteil am Rauschgiftmarkt im allgemeinen und am Heroinmarkt im speziellen kontinuierlich vergrößert. Drei Faktoren haben zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen: die Anwesenheit von Albanern aus Albanien, aus dem Kosovo und aus Mazedonien in nahezu allen westeuropäischen Ländern, die Existenz vieler Erscheinungsformen organisierter Kriminalität unter Albanern und das Bestreben einiger Gruppen, aus Albanien, dem Kosovo und Teilen Mazedoniens ein selbständiges Groß-Albanien zu schaffen. Nach aller Erfahrung dient Rauschgifthandel auch im Fall Albanien dazu, Geld für den politischen wie den bewaffneten Kampf zu beschaffen.

          Kokainschmuggel hat nicht abgenommen

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