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Franzosen gegen Grexit : Aus Eigennutz

Dem Linksflügel der sozialistischen Regierungspartei, den Kommunisten und der Linkspartei gilt Tsipras (links) als „besserer Hollande“. Bild: dpa

Die Mehrheit der Franzosen ist gegen ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion - nicht aus Barmherzigkeit für die Griechen, sondern aus Eigeninteresse. Dem Linksflügel der sozialistischen Regierungspartei gilt Tsipras als „besserer Hollande“.

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          Von ihrem Langmut in der Griechenlandkrise lassen sich die Franzosen nicht abbringen. Obwohl sie nach den Deutschen die zweitwichtigsten Geldgeber sind, sehnen sie nicht das Ende der Rettungspakete und einen Ausstieg Griechenlands aus der gemeinsamen Währung herbei. Mehr als die Hälfte der Franzosen (53 Prozent) lehnt laut einer jüngsten Umfrage ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ab. Vor genau drei Jahren war noch eine Mehrheit von 65 Prozent bereit, Griechenland bei mangelnden Reformen zum Austritt aus der Währungsunion zu zwingen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Direktor des Meinungsforschungsinstituts Ifop, Jérôme Fourquet, bezeichnet die Franzosen als desillusionierte Europäer. Sie wollten keine risikobehafteten Experimente mit einem Grexit. „Die Franzosen sind sehr beunruhigt über die Folgen, die ein Ausscheiden Griechenlands für die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone haben könnte“, sagte Fourquet. Statt aus Barmherzigkeit für die Griechen entschieden die Franzosen aus Eigeninteresse.

          In diesem Fall spricht die angeschlagene Linksregierung für einen Großteil der Wähler. Der sozialistische Finanzminister Michel Sapin bezeichnete einen Grexit jetzt als gefährliches Spiel mit vielen Unbekannten. „Die Risiken sind von unbekanntem Ausmaß. Deshalb müssen wir dieses Szenario vermeiden“, sagte Sapin. Mit Kritik an Alexis Tsipras hält sich die Linksregierung auffallend zurück. Hollande war der erste europäische Staatschef, der am 26. Januar Tsipras in Paris empfing. Doch Hollande lehnte es ab, mit Tsipras zu paktieren und riet dem jungen Regierungschef, die Bundeskanzlerin aufzusuchen. Diese Zurechtweisung aus dem Elysée-Palast hat dem Bild Tsipras’ in Frankreich nicht geschadet.

          Französische Linke bewundert Tsipras

          Der griechische Ministerpräsident wird nicht als rücksichtsloser Zocker am europäischen Verhandlungstisch porträtiert. Ihm schlägt von der Linkspresse vielmehr offene Bewunderung entgegen. Dem Linksflügel der sozialistischen Regierungspartei, den Kommunisten und der Linkspartei gilt Tsipras als „besserer Hollande“: Anders als der Sozialist, der im Wahlkampf gegen die europäische Austeritätspolitik gewettert, aber nichts daran geändert habe, erfülle Tsipras seine Wahlversprechen. In einem offenen Brief an Präsident Hollande verlangten sozialistische Abgeordnete sowie die Parteichefs von Kommunisten und Linkspartei eine französische Initiative, um Griechenland aus der Isolation am Verhandlungstisch zu retten. „Frankreich darf sich nicht auf einen artigen Aufruf zum Respekt der gemeinsamen Regeln beschränken, wenn das Haus brennt“, heißt es in dem Brief. Hollande bestellte daraufhin Jean-Luc Mélenchon von der Linkspartei und Pierre Laurent von den Kommunisten am Montag in den Elysée-Palast ein. Nach dem Gespräch sagte Kommunistenchef Laurent, Hollande habe sich „offen“ für die Argumente gezeigt. Frankreich werde auf eine Einigung im Schuldenstreit hinwirken.

          In der französischen Nationalversammlung wurde über die derzeitigen Griechenland-Verhandlungen nicht debattiert. Der Vorsitzende der Republikaner, Nicolas Sarkozy, hat bei Wahlauftritten wiederholt vor einem Grexit gewarnt. Sein Adlatus, der Europaabgeordnete Brice Hortefeux, sagte jetzt, ein Bruch mit Griechenland verstoße gegen die Interessen Europas und Frankreichs. Damit heben sich die Republikaner vom Front National ab. Dessen Vorsitzende Marine Le Pen hat wiederholt einen Grexit und ein „Ende des Euros“ gefordert. Der stellvertretende Parteivorsitzende Florian Philippot sagte jetzt, die EU schrecke vor ihren eigenen Lügenmärchen zurück. „Die Regierenden haben Angst, dass es Griechenland ohne Euro besser gehen könnte als jetzt“, sagte Philippot.

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