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Die deutsch-englische Beziehung : Endlich wieder Schlaghose

Deutsche Bratwurst in London: Die Briten mögen die Deutschen wieder Bild: LAIF

Anders als auf dem europäischen Kontinent wird Deutschland auf der britischen Insel immer beliebter. Gerade für junge Briten ist Berlin zu einer Alternative zur teuren Hauptstadt London geworden.

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          Als die Düsseldorfer Veteranen-Band „Kraftwerk“ neulich in der Tate Modern aufspielte, mussten Zehntausende Fans draußenbleiben. Es half auch nichts, dass die Techno-Pioniere acht Tage hintereinander auftraten - es waren einfach nicht genügend Tickets vorhanden. Die Musikrezensenten begeisterten sich über die monotonen Elektro-Werke, darunter der 22-Minuten-Hit „Autobahn“. Mit Autobahn hätte die britische Presse noch vor wenigen Jahren Adolf Hitler assoziiert.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Einen kurzen Spaziergang entfernt, im National Theatre, läuft Carl Zuckmayers „The Captain of Kopenick“; seit Monaten sind die Aufführungen ausverkauft. Auf der anderen Seite der Themse, schräg gegenüber, ehrt die Tate Britain den Dada-Künstler Kurt Schwitters mit einer Retrospektive. Dazwischen, in den Buchläden der Hauptstadt, liegt Hans Falladas

          „Alone in Berlin“ auf den Bestseller-Tischen aus. Bei so viel deutscher Präsenz fällt kaum mehr ins Gewicht, dass am King’s Cross auch noch deutsche Currywurst verkauft wird. „Das Bild der Deutschen hat sich stark verändert“, sagt Philip Oltermann, der sich bei „Hermann Ze German“ nach einem langen Redaktionstag mit Curry rot-weiß stärkt. Oltermann, der 1996 nach Großbritannien zog und heute für den „Guardian“ arbeitet, kommt dem Wandel kaum noch hinterher. Als er im vergangenen Jahr sein amüsantes Buch „Keeping up with Germans“ beendete, war schon wieder vieles anders als zu Beginn des Projekts. Würde er es heute noch einmal schreiben, enthielte es „wohl mehr von der Bewunderung, die Deutschland jetzt entgegengebracht wird“. Immerhin, sagt er, konnte er noch etwas von der „neuen Germanophilie“ in die deutsche Übersetzung einarbeiten, die dieser Tage erscheint.

          Neue Beliebtheit auf der Insel

          In weiten Teilen des europäischen Festlandes kämpfen die Deutschen derzeit mit einem negativen Image. Die eiserne Hand, mit der Angela Merkel den Rotstift in der Euro-Krise führt, weckt vielerorts Erinnerungen an die Zeit, in der die Deutschen hart wie Kruppstahl auftraten und die Nachbarn militärisch beherrschen wollten. Da mag ein bisschen Trost spenden, dass sich die Deutschen ausgerechnet auf der britischen Insel neuer Beliebtheit erfreuen.

          Fast wie die Dame des Hauses bewegt sich Frau Stuart durch die eindrucksvollen Gemäuer des Westminster-Palastes, plaudert mit dem Kellner im Parlamentscafé, hält ein Schwätzchen mit Lord Bilmoria, dem indischen Bier-König. Frau Stuart heißt mit Vornamen Gisela und wurde in Niederbayern geboren. Seit 1997 sitzt sie für die Labour Party im Unterhaus. Wer verstehen wolle, was sich im deutsch-britischen Verhältnis getan habe, müsse sie nur in ihrem Wahlkreis besuchen, in Birmingham Edgbaston, der bis 1940 Premierminister Neville Chamberlain gehörte. Dort könne man jetzt in jedem Supermarkt Brezeln kaufen, und der traditionelle deutsche Weihnachtsmarkt sei zum größten außerhalb der Bundesrepublik geworden.

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