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Deutsche Hilfe für Athen : Griechischer Wein

Im Zentrum: Alexis Tsipras (2.v.l.) wird in Brüssel flankiert von Renzi, Schulz und Merkel (v.l.n.r.) Bild: AFP

Muss Deutschland Verwaltungsfachleute nach Griechenland schicken, um blühende Landschaften zu erschaffen? Mit den versprochenen Reformen kann bestenfalls das wettgemacht werden, was Athen zuletzt angerichtet hat.

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          Es wäre schön, wenn die Reformen, die in Athen jetzt beschlossen wurden und noch folgen sollen, Griechenland wirklich voranbringen könnten. Doch die Beschlüsse in der Nacht zum Samstag und die Liste, die Alexis Tsipras demnächst (schon an diesem Montag in Berlin?) vorlegen will, werden im besten Fall nur wettmachen können, was die neue griechische Regierung in den wenigen Wochen ihrer Amtszeit angerichtet hat.

          Alles andere wäre so, wie wenn von der Linkspartei erwartet worden wäre, die DDR in blühende Landschaften zu verwandeln. Was also immer passiert in den kommenden Tagen und Wochen, Reformen hüben und Hilfspakete drüben, es wird nicht reichen und noch eine ganze Zeitlang so weitergehen wie bisher.

          Ein Staat, der den Namen verdient

          Wie tief das Gefälle zwischen Griechenland und dem Rest der Eurozone ist, wie groß deshalb der griechische Reformbedarf, lässt sich an einer Bemerkung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann ablesen. Er schenkte den Griechen reinen Wein ein, indem er vorschlug, deutsche Verwaltungsfachleute nach Griechenland zu schicken, „erfahrene Leute aus den Kommunen“, die aufbauen sollen, was es nach deutschem und europäischem Verständnis dort nicht gibt: einen Staat, der den Namen verdient.

          Hätte nicht ein SPD-Politiker, sondern ein CDU-Politiker den Vorschlag gemacht, wäre er, wie jetzt schon Angela Merkel, inmitten von Besatzungsoffizieren der Wehrmacht auf die Titelseite einer Illustrierten montiert und verhöhnt worden. Doch im 25. Jahr nach der deutschen Einheit hat Oppermanns Idee noch eine ganz andere Seite. Er wird sich gesagt haben: Wenn die deutsche Einheit blühende Landschaften schuf, warum nicht auch die europäische? Wenn schon im Osten, warum nicht auch im Süden?

          Dazwischen liegen Welten, von der Verfassung bis zu Mentalitäten, die sich so schnell nicht ändern lassen. Aber allein der Gedanke zeigt, dass es nicht stimmt, in allem, was der Euro angeblich anrichtet, nur eine Spaltung oder gar den Rückfall des Kontinents in voreuropäische Gewohnheiten zu sehen. Die Finanz- und Schuldenkrise hat die Eurozone auch jenseits der Bank- und Geldangelegenheiten stärker verschmolzen, als ihren Völkern bewusst geworden ist. Oder glaubt jemand, Deutschland wäre das beliebteste Einwanderungsland in Europa ohne Euro? Das und vieles andere lässt sich nicht mit Geld aufwiegen. Übrigens auch nicht die deutsche Einheit, nicht einmal mit noch so viel D-Mark.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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