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Chef der Eurogruppe : Ingenieur für schwöre Fälle

Jeroen Dijsselbloem, niederländischer Finanzminister und Eurogruppen-Chef Bild: Hollandse Hoogte/laif

Jeroen Dijsselbloem ist Chef der Eurogruppe - ohne Glaspalast in Brüssel oder Heerschar von Beamten. Der Niederländer gibt sich diplomatisch mit britischen Manieren, zuhause übt er sich als Gärtner in wilder Ehe.

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          Es gab diese Szene in Athen, Ende Januar. Jeroen Dijsselbloem (sprich: Deisselblum), der Chef der Eurogruppe, runzelte die Stirn, auf seinem Kopfhörer wurde übersetzt, was der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis gerade gesagt hatte: dass sein Land nicht länger mit der Troika aus EU-Kommission, Zentralbank und Währungsfonds zusammenarbeiten wolle. Als der Übersetzer durch war, sprang Dijsselbloem vom Stuhl, sein Blick sagte: Habt Ihr das eben auch gehört? Dann entstand das Bild, das am nächsten Tag in allen Zeitungen war: Dijsselbloem drehte sich weg, befreite seine Hand aus der des Griechen und eilte davon. Die Ikone dieser Krise.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Dijsselbloem war sauer. Bevor er ging, flüsterte er Varoufakis noch ein paar Worte ins Ohr: „Du hast gerade die Troika beschädigt, das war eine schlechte Idee.“ Niemand hörte das, aber es stand dem Niederländer ins Gesicht geschrieben. Varoufakis dagegen lächelte, eine Hand lässig in der Hosentasche. Nach griechischen Erzählungen soll er mit „Wow!“ geantwortet haben, Dijsselbloem erinnert sich nicht mehr daran. Wow: So also begann die aktuelle Griechenland-Krise.

          Als Dijsselbloem im Flugzeug zurück nach Den Haag saß, beschlich ihn ein mulmiges Gefühl. Er war mit einer positiven Botschaft losgeflogen: dass die Geldgeber das Ergebnis der Wahl anerkennen und mit der radikal-linken Regierung von Alexis Tsipras zusammenarbeiten wollten. Zurück kehrte er mit einer negativen Erkenntnis: Die Griechen suchen keine Kompromisse, sondern die Konfrontation. Der Niederländer fand sich in einer Schlacht wieder, die er unbedingt vermeiden wollte.

          Diplomatisch mit Vorliebe England

          Drei Monate später ist diese Schlacht noch immer nicht vorbei. Am Montag treffen sich die Finanzminister der Eurostaaten in Brüssel, wieder steht Griechenland auf der Tagesordnung. Es hat Annäherungen gegeben in den letzten Tagen, nicht aber den entscheidenden Durchbruch. Niemand kann genau sagen, wie lange noch Zeit dafür bleibt. Am Dienstag müssen die Griechen 763 Millionen Euro an den IWF zurückzahlen. Schaffen sie das? Es ist ein Ringen am Abgrund: Athen könnte hinunterstürzen, und keiner weiß, was dann aus Europa würde.

          In solchen Situationen kommt es nicht mehr auf die Beamten und Fachleute an. Das Schicksal Griechenlands und der EU liegt jetzt in den Händen einiger weniger – Politiker. Dijsselbloem ist einer von ihnen. Der niederländische Finanzminister vertritt nicht nur sein Land, sondern als Vorsitzender der Eurogruppe achtzehn Gläubiger Athens. 220 Milliarden Euro haben sie dem Land geliehen. Was jetzt zählt, ist taktisches Geschick, politisches Gespür, der Sinn für das Mögliche.

          Dijsselbloem macht bislang eine gute Figur. Er wägt seine öffentlichen Worte, weckt keine falschen Erwartungen, beschönigt nichts und hält sich doch an den diplomatischen Comment. Geht es hoch her unter den Ministern, wie zuletzt in Riga, spricht er von einer „sehr kritischen Diskussion“ und einem „Gefühl der Dringlichkeit“. In dieser Woche beschrieb er die Verhandlungen mit der schönen Formel, man habe „quite a bit of progress“ gemacht, einige Fortschritte.

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