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Großbritannien : Eine besondere Beziehung

Königin Elisabeth II. verkörpert die Sehnsucht vieler Deutscher nach Glanz und Glamour. Der Besuch der Queen fällt in eine Zeit deutsch-britischer Entspanntheit – und um so größerer europäischer Unsicherheiten.

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          Es gibt wenige Länder, vom Vereinigten Königreich natürlich abgesehen, in denen das Geschehen im Hause Windsor und darum herum so intensiv verfolgt wird wie in Deutschland. Das britische Königshaus, das marmorne wie das bunt schillernde, fasziniert viele Deutsche; irgendwie sehnen sich auch die Demokraten im Herzen des Kontinents nach historischer Pracht und Dekor, nach Personen und Institutionen, denen der harte, laute, wechselhafte republikanische Alltag nichts anhat. Königin Elisabeth II., im 64. Jahr ihrer Regentschaft, ist das Idol dieser Sehnsucht. Ihr, der „globalen Monarchin“ des 20. und auch des 21. Jahrhunderts, dem Sinnbild von zeitloser Beständigkeit, schlägt in unserem Land bemerkenswert viel Sympathie, ja Verehrung entgegen; was nicht unbedingt an den deutschen Wurzeln des Hauses Windsor liegen mag.

          Wenn unter dem langen Schatten des Kriegs Versöhnung das Leitmotiv früherer Staatsbesuche war, im geteilten wie im wiedervereinigten Deutschland, so fällt diese Visite bei treuen Verehrern in eine Zeit deutsch-britischer Entspanntheit und europäischer Unsicherheiten. Das bilaterale Verhältnis ist eng, das Ansehen Deutschlands jenseits des Kanals so gut, dass man sich die Augen reibt; und das gilt nicht nur für die traditionellen Felder Automobilbau und Fußball. Wenn man die jeweiligen Eigenheiten abzieht, dann stehen sich beide Länder und ihre Völker eigentlich ganz nah. Kulturell sind sie einander nicht fremd.

          Und da kommen Europa und die politische Dimension des Besuchs der Königin ins Spiel. Auf der Agenda der britischen Politik steht ein Referendum über die weitere Zugehörigkeit des Vereinigten Königreichs zur EU. Premierminister Cameron will den Wählern eine neue europäisch-britische Geschäftsgrundlage zur Abstimmung stellen, und dafür braucht er geneigte Verbündete, dafür braucht er eine deutsche Regierung, die offen für seine Reformvorschläge ist. Die Regierung Merkel wird sich nicht verschließen, sondern sich, im Rahmen des Möglichen und des Vernünftigen, von gemeinsamen Interessen leiten lassen. Sollte sie jedenfalls. Die Kanzlerin, die bis an die politische Schmerzgrenze für den Verbleib Griechenlands in der Währungsunion eintritt, wird das ihr Mögliche tun, um einen nicht minder folgenreichen „Brexit“ abzuwenden. Dafür brauchte es des Staatsbesuchs nicht. Aber einige „britische“ Tage in Berlin und Frankfurt schaden gewiss nicht.

          Queen in Deutschland : Mit 89 Jahren ein straffes Programm

          Klaus-Dieter Frankenberger
          (K.F.), Politik

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