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Angst vor Grexit : Griechen vor den Geldautomaten

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Warteschlange vor Geldautomaten an diesem Samstag in Athen: Die Griechen wollen ihr Geld nicht verlieren Bild: dpa

Unmittelbar nach der Ankündigung Tsipras’, das Volk schon bald über ein mögliches Sparprogramm abstimmen zu lassen, versuchen viele Griechen, sich an den Geldautomaten „Bares“ zu sichern. Die Regierung ruft zur Ruhe auf.

          Unmittelbar nach der Ankündigung einer Volksabstimmung über ein mögliches Sparprogramm haben sich vor vielen Geldautomaten in Griechenland lange Schlangen gebildet. Auf Fernsehbildern und aktuellen Pressefotos ist an diesem Samstagvormittag zu sehen, wie etwa am zentralen Athener Platz von Kolonaki Dutzende Menschen vor dem Geldautomaten der National Bank of Greece warteten. Auch aus anderen Stadtteilen gab es ähnliche Bilder.

          Einige Geldautomaten seien wegen des Ansturms schon leer gewesen, berichteten Augenzeugen. Viele Griechen fürchten offenbar, dass unabhängig vom Ergebnis des Referendums das Ende des Euros für Griechenland unabwendbar sei, und versuchen deshalb, so viel Geld wie möglich abzugeben.

          Kammenos: „Die Banken werden nicht schließen“

          Die kleinere griechische Regierungspartei ruft die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Bürger sollten sich nicht einschüchtern lassen, sagte der Vorsitzende der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, an diesem Samstag im griechischen Fernsehen. Das Land werde sich nicht erpressen lassen. „Die Banken werden nicht schließen“, betonte Kammenos, der zugleich auch Verteidigungsminister ist. Seinen Worten zufolge wird es an den Automaten weiter Geld geben.

          Ministerpräsident Alexis Tsipras, der die größere Regierungspartei Syriza führt, hatte nach einer Dringlichkeitssitzung des Kabinetts angekündigt, das Volk am Sonntag in einer Woche über die von den internationalen Geldgebern verlangten Reformen abstimmen zu lassen. Eigentlich sollte bis Monatsende eine Einigung stehen und von den Parlamenten abgesegnet sein. Kammenos sagte dazu, das geplante Referendum werde Griechenlands Zukunft in der Europäischen Union nicht gefährden.

          Referendum am 5. Juli

          Kurz vor einer entscheidenden Sitzung der Euro-Finanzminister über die Rettung Griechenlands vor der drohenden Staatspleite hatte Ministerpräsident Alexis Tsipras am frühen Samstagmorgen im Fernsehen eine Volksabstimmung über das mögliche Sparprogramm für den 5. Juli angekündigt. Das griechische Parlament soll noch am Vormittag zusammenkommen, um dem geplanten Referendum zuzustimmen.

          Da am Dienstag bereits eine Rückzahlung an den Internationalen Währungsfonds (IWF) von rund 1,6 Milliarden Euro ansteht, wollte er „eine kleine Verlängerung“ des laufenden Hilfsprogramms beantragen. Damit wird der Zeitplan für die Verhandlungen mit den Geldgebern abermals durcheinandergewirbelt. Eigentlich sollte bis Monatsende eine Einigung stehen und von den Parlamenten abgesegnet sein. Die Banken des Landes werden nach Einschätzung der Regierung in Athen am Montag aber wie gewohnt öffnen. Kapitalverkehrskontrollen seien nicht geplant.

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