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Merkel besucht Renzi : Wie das Europa-Tandem zum Trike wurde

Der französische Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi (v.l.n.r.) Bild: Bloomberg

Angela Merkel trifft Italiens Premier Matteo Renzi. Der hat zielstrebig darauf hingearbeitet, neben Hollande endlich zum europäischen Führungstrio zu gehören. Besonders ein Zwischenfall brachte beide zusammen.

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          Ende Januar besuchte Matteo Renzi die Kanzlerin in Berlin. Er hatte eine wichtige Botschaft im Gepäck, so wichtig, dass er sie vorher in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung öffentlich machte. Renzi beklagte sich über „das Verhalten Deutschlands, das alle EU-Initiativen zunächst einmal mit einem bilateralen Treffen mit den Franzosen beginnt. Natürlich wäre ich dankbar, wenn Angela und François alle Probleme lösen könnten; aber so läuft es eben meistens nicht.“ Wenn man eine gesamteuropäische Strategie zur Lösung der Flüchtlingsfrage suche, „dann kann es nicht reichen, wenn Angela zuerst Hollande und dann den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker anruft und ich das Ergebnis aus der Presse erfahre“.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Deutlicher und grundsätzlicher ging es kaum. Derlei Kritik hatte man bis dahin - jedenfalls offen - nur aus östlichen Mitgliedstaaten vernommen. Manchen erschien es, als arbeite Renzi auf eine neue Spaltung der Europäischen Union hin, und zwar an der gefährlichsten Stelle: in ihrem Kern. Es war einiges zusammengekommen. Der Bau von Aufnahmezentren für Flüchtlinge, den Italien zugesagt hatte, zog sich quälend in die Länge. Rom verzögerte die Freigabe von drei Milliarden Euro für Flüchtlinge in der Türkei. Und dann stemmte sich Renzi auch noch gegen die Erweiterung der deutsch-russischen Gasleitung durch die Ostsee. In Brüssel und in Berlin wurde er als schwer berechenbarer Mann gefürchtet, als einer, der sich innenpolitisch auf Kosten Dritter profiliert. Kein guter Partner.

          Große Oper des Italieners

          Anfang der Woche ein ganz anderes Bild: Matteo Renzi empfing die Kanzlerin und den französischen Präsidenten auf der Insel Ventotene vor Neapel. Sie steckten Blumen an das Grabmal von Altiero Spinelli, einem der geistigen Väter der europäischen Einigung. Mit zwei weiteren Gefangenen hatte Spinelli während des Krieges auf der Insel sein Manifest „für ein freies und vereintes Europa“ geschrieben. Die Regierungschefs verbeugten sich vor dem Visionär und begaben sich hernach auf den Flugzeugträger „Giuseppe Garibaldi“. Das ist das Flaggschiff der Operation „Sophia“, die Schleppern das Handwerk legen soll. Es ging um die Herausforderungen der Zeit und die nächsten Schritte der Europäischen Union. Seite an Seite stellten Renzi, Merkel und Hollande ihre Ideen vor, ein gemeinsames Programm.

          Matteo Renzi hat es also geschafft. Er, der im Januar noch am Rande stand und laut rufen musste, ist nun dabei. Das deutsch-französische Tandem hat sich in ein Trike verwandelt, ein Dreirad. Der nächste EU-Gipfel, Mitte September in Bratislava, wurde nicht mit einem exklusiven Abendessen im Elysée-Palast vorbereitet, sondern auf offener Bühne vor hochsymbolischer Kulisse. Große Oper war das, und Oper können Italiener wie niemand sonst. Was aber steckt dahinter? War das bloß ein Auftritt für das angeschlagene Ego des Hauptdarstellers? Oder inszeniert sich da eine neue Führung der EU? Und wohin will sie die anderen Staaten ziehen?

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