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Allensbach-Umfrage : Gemeinsames Interesse an Europa in Gefahr

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Vertrauen der Deutschen in die EU ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Doch nicht der Euro, sondern die unzureichende Kommunikation der europäischen Entwicklung zeitigt negative Folgen.

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          „Scheitert der Euro, scheitert Europa“, sagte Bundeskanzlerin Merkel im Mai letzten Jahres bei der Verleihung des Karlspreises zu Aachen an den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk. Damals mag die Aussage den Zuhörern vielleicht etwas dramatisch erschienen sein, zumal nach der Verabschiedung des Rettungspakets der EU und des Internationalen Währungsfonds für Griechenland die größte Gefahr für den Euro vorerst gebannt schien. Doch es spricht einiges dafür, dass sie nicht übertrieben ist.

          Damals war erkennbar, dass die fortwährende öffentliche Diskussion über die Euro-Stabilität dauerhafte Spuren im Europa-Bild der Bevölkerung hinterlassen würde. In der Zwischenzeit haben sich die Hinweise darauf verstärkt. Dabei fällt auf, dass nicht allein und noch nicht einmal vorrangig das Vertrauen in die wirtschaftliche Stabilität Europas abgenommen hat, sondern dass vor allem das langfristige Ziel der politischen Einigung Europas Schaden zu nehmen droht. Dies geht aus den Ergebnissen der jüngsten Repräsentativumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag dieser Zeitung hervor.

          Die Deutschen haben den Euro stets mit großer Skepsis betrachtet. Sieht man einmal von einer kurzen Phase Anfang 2002 unmittelbar nach der Einführung des Euro-Bargeldes ab („Bargeld lacht“, schrieb damals Elisabeth Noelle-Neumann), sprachen sich in der Bevölkerung stets Mehrheiten gegen die neue Währung aus. Zwar waren die meisten Menschen durchaus bereit, das neue Geld zu akzeptieren, doch ohne jede Begeisterung. Im Oktober 1995 stellte das Allensbacher Institut zum ersten Mal die Frage „Wie viel Vertrauen hätten Sie zu einer gemeinsamen europäischen Währung?“ 22 Prozent antworteten, sie hätten „sehr großes“ oder „großes Vertrauen“, 69 Prozent sagten „weniger Vertrauen“ oder „kaum, gar kein Vertrauen“. In der darauffolgenden Zeit wurde die Frage nahezu jedes Jahr wiederholt. Die Antworten schwankten je nach Lage deutlich, doch abgesehen vom Januar 2002 sagte zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit, sie hätte „sehr großes“ oder „großes“ Vertrauen in den Euro. Heute liegen die Werte mit 22 zu 68 Prozent fast genau auf dem gleichen Niveau wie vor 16 Jahren.

          Das generelle Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Währungsunion ist vermutlich ein wesentlicher Grund dafür, dass sie auf Pläne, verschuldeten Mitgliedsländern unter die Arme zu greifen, mit großer Skepsis reagiert. Dies zeigen unter anderem die Antworten auf die Frage „Angela Merkel hat sich bei den Verhandlungen dafür eingesetzt, dass dieser Rettungsschirm (für finanzschwache Euro-Länder) nur im absoluten Notfall und unter strengen Bedingungen in Anspruch genommen werden darf. Finden Sie die harte Haltung von Angela Merkel richtig, oder hätte sie sich kompromissbereiter zeigen sollen?“ 83 Prozent der Deutschen sagen heute, die harte Haltung sei richtig gewesen. Nur 6 Prozent meinen, die Bundeskanzlerin hätte sich kompromissbereiter zeigen sollen.

          Das „Gerede vom Scheitern des Euro“

          Auch darüber, dass die gegenwärtige finanzielle Lage mancher Euro-Länder nicht akzeptabel sei, herrscht weitgehend Einigkeit. 68 Prozent stimmen der Aussage zu „Die Schulden einiger Euro-Länder sind viel zu hoch. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Daran könnte der Euro scheitern.“ Nur 20 Prozent entscheiden sich für die im Fragebogen angebotene Gegenposition, in der es heißt, das „Gerede vom Scheitern des Euro“ sei doch übertrieben und andere Länder wie die Vereinigten Staaten oder Japan seien ebenfalls hochverschuldet und stünden auch nicht besser da.

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