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Allensbach-Umfrage für die F.A.Z. : Europa profitiert von Kriegsangst

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Zahl der positiven Zuordnungen hat zugenommen

Dabei spricht einiges dafür, dass sich die Bevölkerung tatsächlich wieder ein wenig mehr als zuletzt den politischen Aspekten der europäischen Integration zuwendet. Aufschlussreich sind hier die Reaktionen auf die Frage „Was bedeutet die EU für Sie?“ Zu dieser Frage überreichten die Interviewer eine Liste mit 13 Aspekten bzw. Meinungsäußerungen über die Europäische Union. Als die Frage zum vorletzten Mal im Juli 2013 gestellt wurde, zeigte sich, dass sich das Profil der Europäischen Union in den intensiven öffentlichen Diskussionen der vorangegangenen Jahre geschärft hatte. Nicht nur die Zahl der negativen, sondern auch die der positiven Zuordnungen hatte zugenommen. Die Vorstellungen von der Gemeinschaft waren deutlicher geworden.

Diese Entwicklung hat sich in den zehn Monaten, die seitdem vergangen sind, nicht fortgesetzt, aber die Schwerpunkte haben sich etwas verschoben. Von 60 auf 56 Prozent abgenommen hat die Zahl derjenigen, die sagen, sie verbänden mit Europa eine „wuchernde Bürokratie“ und einen großen, schwer zu durchschauenden Beamtenapparat. Dagegen hat die Zustimmung zu der Aussage, die Europäische Union bedeute politische Stabilität in Europa, deutlich zugenommen. 2013 sagten dies 47, heute 58 Prozent. Von 41 auf 31 Prozent zurückgegangen ist dagegen der Anteil derer, die in der EU ein „Risiko für den Wohlstand in Deutschland“ sehen.

Bild: F.A.Z.

Dass es in Europa viele hochverschuldete Länder gebe, für die Deutschland haften müsse, meinen heute 61 Prozent, doch auch das sind immerhin 4 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Sommer. Und der Aussage, die EU sei ein Zusammenschluss von Ländern, die sich in vielem unterschieden, stimmten vor knapp einem Jahr noch 58 Prozent der Deutschen zu, heute sind es noch 49 Prozent. Man darf diese Entwicklungen nicht überinterpretieren, zumal bei einigen anderen, inhaltlich ähnlich gelagerten Aussagen keine vergleichbar starken Bewegungen zu beobachten sind, doch man sieht, dass die Finanzkrise das Europabild der Deutschen nicht mehr ganz so sehr dominiert wie im vorigen Jahr.

Es gibt einige Hinweise darauf, dass tatsächlich die Krise in der Ukraine zu dieser Verschiebung beigetragen haben könnte. Eine Frage lautete: „Wie stark fühlen Sie sich durch das russische Verhalten in der Ukraine bedroht?“ Eine Mehrheit von 55 Prozent antwortete, sie fühlte sich dadurch sehr oder zumindest etwas bedroht. Etwas weniger, 40 Prozent, sagten dagegen, sie fühlten sich kaum oder gar nicht bedroht.

Schaut man nun, wie die Befragten, die sich durch das Verhalten Russlands bedroht fühlen, auf die Frage „Was bedeutet die EU für Sie?“ antworten, dann erkennt man, dass sie nicht durchgängig, aber doch tendenziell dazu neigen, eher die politischen Aspekte der Europäischen Union zu betonen, als diejenigen, die sich nicht bedroht fühlen. So sagen Erstere zu 66 Prozent, Letztere dagegen „nur“ zu 58 Prozent, Europa bedeute für sie die Sicherheit, dass die europäischen Völker nicht mehr gegeneinander Krieg führen.

Das gleiche Muster zeigt sich bei der Frage „Wenn jemand sagt: ‚Das wirklich Entscheidende an der Europäischen Union ist die Frage von Krieg und Frieden. Nur durch die Einheit Europas kann man den Frieden in Europa dauerhaft sichern.‘ Sehen Sie das auch so, oder sehen Sie das nicht so?“ 65 Prozent der Deutschen antworten auf diese Frage, das sähen sie auch so. Bei denen, die sich durch das russische Verhalten in der Ukraine bedroht fühlen, sind es 69, bei denjenigen, die sich nicht bedroht fühlen, 60 Prozent.

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