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Abschiedsbesuch in Europa : Bush II auf Augenhöhe

Die Bushs in Deutschland Bild: ddp

George W. Bush ist auf Abschiedstour in Europa - seit Dienstagabend zu Gast bei Angela Merkel. Schon jetzt hat seine Reise klar gemacht, wie konfliktarm die transatlantischen Beziehungen geworden sind. Einer der größten Streitpunkte betrifft die Einfuhr von Hähnchenfleisch. Und Bush? Er verkörpert den Inbegriff einer „lahmen Ente“.

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          Der amerikanische Präsident George W. Bush setzt an diesem Mittwoch seinen Abschiedsbesuch in Deutschland fort. Auf Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung in Brandenburg, trifft Bush zu bilateralen Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel zusammen. Der Anfang nächsten Jahres aus dem Amt scheidende amerikanische Präsident war Dienstagabend in Deutschland angekommen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Themen der Gespräche zwischen Merkel und Bush sind die Konflikte im Nahen Osten, in Iran und in Afghanistan sowie die Vorbereitung des G-8-Gipfels in Japan. Auch die Klimapolitik soll zur Sprache kommen. Bush kam am Dienstag direkt vom EU-Amerika-Gipfel in Slowenien, der gleichzeitig seinen Abschiedstour durch Europa eröffnete. Insgesamt gibt es kaum noch transatlantischen Konfliktstoff, beim Europa-Besuch des Präsidenten. Ein kooperationswilliger Präsident ist nach Europa gekommen, einer, der sich nicht streiten will.

          Zum zweiten Mal in Brdo

          Schon einmal zuvor war Bush in Brdo gewesen, einer Schlossanlage nahe der slowenischen Hauptstadt Ljublijana. Das war fast auf den Tag genau vor sieben Jahren. Er kam damals zum ersten Mal nach Europa, war ein weltpolitischer Novize, viele Europäer belächelten ihn als tumben texanischen Cowboy. Das war wenige Wochen vor den Anschlägen auf New York und Washington, die Bush selbst, die Welt, aber auch Europa verändern sollten. Am Dienstag nun begann Bush seinen europäischen Abschiedsbesuch wieder in Brdo. „Da schließt sich ein Kreis, passenderweise“, bemerkte er vor der Presse.

          Bush bei seiner Ankunft am Flughafen Berlin Tegel
          Bush bei seiner Ankunft am Flughafen Berlin Tegel : Bild: ddp

          Die Führung der EU verabschiedete in Slowenien einen amerikanischen Präsidenten in die Geschichtsbücher, der immer noch an seine große Freiheitsbotschaft glaubt, aber offenbar auch ein paar Dinge dazugelernt hat. Er verwies darauf, dass der Gastgeber des EU-Amerika-Gipfels, der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa, vor zwanzig Jahren noch im Gefängnis gesessen habe, weshalb es richtig sei, Völkern zu helfen, die nach der Freiheit suchten - von den Palästinensern bis zu Iran. „Wenn mehr Leute in Nahost in freien Gesellschaften leben würden, dann wäre das eine viel friedlichere Gegend.“

          Ein geläuterter Unilateralist

          Zugleich war Bush aber die „Botschaft“ wichtig, dass Amerika - in solchen und anderen Fragen - mit der EU zusammenarbeiten müsse. Man habe ein Interesse an einem starken Europa. Da sprach ein geläuterter Unilateralist, einer, der am eigenen Leib erfahren hat, welche Kosten es verursachen kann, wenn der Westen nicht einig ist.

          Die meisten Bürger Europas mögen Bush bis heute sehr kritisch sehen, ihre Regierungen haben in den vergangenen Jahren aber diesen anderen, den kooperationswilligen Präsidenten kennengelernt.

          Bush II nennen EU-Diplomaten diesen Mann, mit dem sie es seit seiner Wiederwahl im Jahr 2004 zu tun haben. Immer wieder hat die Bush-Regierung in der zweiten Amtszeit das Gespräch mit den Europäern gesucht. „Auf dem westlichen Balkan, im Nahen Osten und bei der Iran-Politik reden wir inzwischen auf Augenhöhe miteinander“, berichtet ein zuständiger Beamter der Europäischen Kommission. Im Atomkonflikt mit Iran, über dem stets das Damoklesschwert möglicher Militärschläge schwebt, haben die Europäer mit Russland im Augenblick wesentlich mehr Probleme als mit Amerika.

          Wie unhysterisch die transatlantischen Beziehungen heute abgewickelt werden, lässt sich vielleicht am besten daran ablesen, dass sich einer der größeren Konflikte derzeit darum dreht, dass die EU die Einfuhr von Hähnchen verboten hat, die in Amerika mit Chlor desinfiziert werden. Und vor der Presse zählte Gastgeber Jansa gerade einmal noch zwei Themen auf, als er auf die Meinungsunterschiede zwischen beiden Seiten zu sprechen kam: die Todesstrafe und die Frage, wie der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden kann. Die transatlantische Beschwerdeliste war schon einmal wesentlich länger.

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