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50 Jahre Élysée-Vertrag : Vom Erbfeind zum Erbfreund

  • -Aktualisiert am

Der sogenannte „Bruderkuss“ zwischen Konrad Adenauer (l.) und Charles de Gaulle Bild: dpa

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle ihren Vertrag im Pariser Élysée-Palast. Doch der Rheinbund stieß auf schnell heftigen Widerspruch. Im Bundestag bezichtigte man die Franzosen sogar der Diktatur.

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          Kurz nach der triumphalen Reise durch die Bundesrepublik im September 1962 ließ Staatspräsident Charles de Gaulle seine Vorstellungen für ein Protokoll über die deutsch-französische Zusammenarbeit nach Bonn übermitteln. Von einem völkerrechtlichen Vertrag war keine Rede. Zu Jahresbeginn 1963 machte Horst Osterheld, der „Leiter des außenpolitischen Büros“ im Kanzleramt, Konrad Adenauer darauf aufmerksam, dass eine Vereinbarung zu umfassender Zusammenarbeit in der Außen- und Sicherheitspolitik wohl der Zustimmung des Bundestags bedürfe: „Im Laufe von drei Tagen fand er Geschmack an dem Gedanken, das Abkommen über den Rang eines Regierungsabkommens hinaus auf die Ebene eines politischen Vertrages zu heben und ihm dadurch eine festere Basis zu geben.“ Es würde die Nachfolger binden, „die das Abkommen sonst einschlafen lassen oder ohne viel Umstände ändern oder gar aufheben könnten“, berichtete Osterheld später.

          Am 14. Januar 1963 lehnte de Gaulle vor der Presse den Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und den amerikanisch-britischen Vorschlag zur Gründung einer multilateralen Atomstreitmacht (MLF) ab. Zu den deutsch-französischen Beziehungen meinte er, die Neugestaltung beruhe „auf einer noch nie dagewesenen Unterstützung im Volke“. Trotz der Kritik in den eigenen Reihen versteifte sich der 87 Jahre alte Kanzler auf eine bilaterale Allianz mit Paris, eine Art Rheinbund mit Deutschland als Juniorpartner. Dagegen liefen das Auswärtige Amt mit Gerhard Schröder (CDU) an der Spitze und der als Kanzlernachfolger gehandelte Wirtschaftsminister Ludwig Erhard Sturm.

          Eine blaue Mappe aus dem Luxuskaufhaus

          Die SPD-Opposition forderte den Kanzler nach de Gaulles Pressekonferenz auf, den Paris-Besuch zu verschieben. Sogar das befreundete Ausland äußerte Bedenken. Der amerikanische Außenminister Dean Rusk bat die Bundesregierung, in der Frage des Abkommens über die MLF und des Beitritts Großbritanniens zur EWG „mäßigend“ auf Frankreich einzuwirken. Adenauer falle die „historische Aufgabe“ zu, eine Entwicklung zu verhindern, die sowohl die atlantische Partnerschaft als auch die europäische Einigung gefährde.

          Dass ein völkerrechtlicher Vertrag wünschenswert sei, ließ Adenauer de Gaulle vorab mitteilen. Am Montag, dem 21. Januar 1963, begann die Konferenz im Elysée-Palast. De Gaulle sagte, er messe dem Abkommen eine so große Bedeutung bei, dass er es auf jeden Fall dem Parlament zuleiten werde. Vielleicht werde das Abkommen sogar dem Volk zur Zustimmung unterbreitet. Dies akzeptierte der Kanzler.

          Diese schnelle Einigung brachte die Beamten des Auswärtigen Amts in arge Bedrängnis, wie Per Fischer rückblickend schilderte: „Wir haben weder Vertragspapier mit - jedes Land schreibt Staatsverträge auf ein bestimmtes Papier; unsere Blätter sind blau eingefasst, die französischen mit der Trikolore -, noch haben wir die Ledermappe mit, in die Verträge mit Siegellack und Siegel eingeheftet werden.“ In einem Pariser Luxuskaufhaus erstand Fischer eine blaue Mappe, „die Gott sei Dank unseren Farbton hatte, aber natürlich nicht den Adler besaß. In dieser Mappe ist der Vertrag im Fernsehen gezeigt worden; dabei haben wir nur die Innenseite filmen lassen. Wir hatten den Vertragstext auf dem französischen Vertragspapier tippen müssen.“

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