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Europa und China : Der chinesische Freund

  • -Aktualisiert am

Im Schloss Bellevue: Bundespräsident Wulff empfängt den chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao Bild: dapd

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao reist mit dem Scheckbuch durch das von Schulden geplagte Europa. Je stärker die Abhängigkeit wird, je sicherer sich Peking seiner Sache sein kann, desto leiser werden kritische Töne werden.

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          Die Beziehungen der Europäer zu China sind mit zwei Stichworten zu beschreiben: Wirtschaft und Menschenrechte; Geopolitik und große Strategie fallen in die Zuständigkeit der Amerikaner. Das ist kurzsichtig und naiv zugleich. Denn während wir Freihandel als wirtschaftliche Errungenschaft begreifen, sieht Peking in Wirtschaftsfragen einen strategischen Hebel für seine weltpolitische Positionierung.

          Vor allem in Afrika hat China durch langfristige Kooperationsverträge und massive Investitionen die Hand auf wichtige Rohstoffe gelegt, ohne sich – wie im Westen üblich – den Kopf über die Natur des Regimes zu zerbrechen, das damit unterstützt wird. Nun reist Ministerpräsident Wen Jiabao mit dem Scheckbuch durch Europa, kauft gebeutelten Staaten hier Staatsanleihen ab, lässt seine Staatsbanken da zinsgünstige Kredite verleihen oder sagt Firmen, an denen chinesisches Kapital beteiligt ist, neue Investitionen zu. China, jetzt schon der größte Gläubiger Amerikas, wird auch zum potenten ökonomischen Akteur in Europa, und zwar nicht nur als Absatzmarkt für unsere Güter.

          Bei aller Freude der von Schulden geplagten Europäer, dass es noch jemanden gibt, der bereit ist, sein Geld in den alten Kontinent zu investieren, sollten sie sich doch darüber im Klaren sein, dass China nicht uneigennützig handelt. Da geht es nicht nur um den Erwerb westlicher Spitzentechnologie, sondern auch um die Mehrung von politischem Einfluss.

          Markt und Menschenrechte

          Schon jetzt geht das heikle Thema Menschenrechte fast unter in dem Chor, der lautstark das Lied von den „wirtschaftlichen Chancen auf dem riesigen chinesischen Markt“ singt. Je stärker die Abhängigkeit wird, je sicherer sich Peking seiner Sache sein kann, desto leiser werden kritische Töne werden.

          In den vergangenen Jahren hat sich auch gezeigt, dass wechselseitige Abhängigkeit nicht nur wohlstandsfördernd und friedensstiftend ist. Die Banken- und Finanzkrise hat demonstriert, dass in der vernetzten Wirtschaft auch die Gefahr von Ansteckungen weltumspannend geworden ist und Konflikte schafft.

          Was unter Demokratien gilt, stellt im Geschäftsverkehr mit Diktaturen, in denen die Wirtschaft von der Politik gelenkt wird, erst recht ein Risiko dar. Denn China kalkuliert scharf: ein großes Autobahnprojekt, das eine chinesische Firma gesteuert hatte, hat Peking vor kurzem krachend scheitern lassen.

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