https://www.faz.net/-gpf-2n01

Europa : Habermas eröffnet eine neue EU-Debatte

  • Aktualisiert am

Der Soziologe Jürgen Habermas beklagte in Hamburg das mangelnde Interesse der Intellektuellen an Europa.

          Der Soziologe Jürgen Habermas hat die mangelnde Beteiligung Intellektueller an der Schaffung einer europaweiten Öffentlichkeit beklagt.

          Die Europäische Union lasse sich nur mittels einer europäischen Öffentlichkeit verwirklichen, die auch auf die Beiträge Intellektueller angewiesen sei, sagte der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels am Dienstag abend in einem Vortrag in der Hamburger Universität.

          „Die überwiegend ablehnende oder wenigstens zögernde Bevölkerung könne für Europa nur gewonnen werden, wenn das Projekt aus der blassen Abstraktion von Verwaltungsmaßnahmen und Expertengesprächen herausgelöst, also politisiert werde, sagte der 72-Jährige.

          Eine europäische Öffentlichkeit sei laut Habermas nicht einfach als Vergrößerung einer nationalen Öffentlichkeit zu sehen, sondern sollte in einer Art „wechselseitigem Durchdringen“ der nationalen Diskussionen wie nach EU-Gipfeln entstehen.

          „Die Intellektuellen meiner Generation haben Demokratie noch am Nationalstaatsmodell eingeübt. Daher herrscht wohl eher eine nationalstaatliche Zufriedenheit und Europaskepsis unter ihnen“, sagte Habermas in einem Gespräch im Vorfeld seines Hamburger Vortrags.

          Wirtschaftliche Erwartungen reichten als Motiv nicht aus, um in der Bevölkerung politische Unterstützung „für das risikoreiche Projekt einer Union, die diesen Namen verdiente, zu mobilisieren“.

          Dazu bedürfe es auch einer gemeinsamen Wertorientierung und der Mobilisierung für Ziele, die „auch an die Gemüter appellierten“.

          Es gelte, europaeigene Interessen im Weltwirtschaftssystem wahrzunehmen und ein eigenes Lebensgefühl zu entwickeln. Für die Identitätsbildung der Europäer sei die „betont nationale Orientierung der amerikanischen Bush-Regierung“ eine Chance, die gemeinsame EU-Außen- und Sicherheitspolitik stärker zu profilieren.

          Weitere Themen

          Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

          Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

          Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

          Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

          Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

          Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

          Topmeldungen

          Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister.

          Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

          Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.
          Die Runde bei Maischberger

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Merkel for Future?

          Ist Friedrich Merz der lachende Dritte in der Frage um die Kanzlerkandidatur? In der Runde um Sandra Maischberger konnte er seine Ansichten zum Umgang mit der AfD jedenfalls schon einmal kundtun. Daneben wurden unter anderem der Klimawandel und der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke diskutiert.
          Der 22 Jahre alte Ali B. dementiert weiterhin die Vergewaltigung von Susanna F.

          Psychiaterin über Ali B. : Egozentrisch, manipulativ, empathielos

          Im Prozess um die getötete Schülerin Susanna F. aus Mainz berichtet wenige Wochen vor dem Urteilstermin die psychiatrische Gutachterin. Den angeklagten Ali B. beschreibt sie als faulen und frauenverachtenden Mann, der in seinem Leben immer nur an sich selbst gedacht habe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.