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„Euro Hawk“-Ersatz : Verteidigungsministerium favorisiert teure Drohne

Zwei „Triton“ der amerikanischen Marine 2013 in Palmdale, Kalifornien. Bild: U.S. Navy

Die Bundeswehr hat ein Aufklärungsproblem. Das Verteidigungsministerium bevorzugt nun eine teure Alternative zur gescheiterten „Euro Hawk“-Drohne. Den Grünen geht das zu schnell.

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          Die Bundeswehr will in der Ferne gut aufklären können. Und das seit Jahren schon. Das unbemannte Luftfahrzeug „Euro Hawk“ sollte eigentlich dafür sorgen, scheiterte aber 2013 an der Fluglizenz und weil die Kosten aus dem Ruder liefen. Ersatz soll kommen. Aber die Mehrkosten für die neue Drohne sind beachtlich. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die FAZ.NET vorliegt.

          Für den Kauf von drei unbemannten amerikanischen Aufklärungsflugzeugen des Typs MQ-4 „Triton“ in den Vereinigten Staaten rechnet das Verteidigungsministerium, ausgehend von einer Schätzung der US Navy,  demnach mit mindestens 648 Millionen Euro an Mehrkosten. Nicht enthalten sind bei der Schätzung Umsatzsteuer, Zölle und eine Art Vorvertrag, der seitens der Bundeswehr im Frühjahr mit Washington geschlossen wurde, um die Einsatzfähigkeit der „Triton“-Drohnen zu testen.

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          Die abschließende Integration des bereits entwickelten Sensor-Moduls mit der Abkürzung “Isis“ würde für „Triton“ gemäß Schätzungen des Verteidigungsministeriums noch einmal rund 255 Millionen Euro kosten. Sie soll der Aufklärungsdrohne ermöglichen, aus großer Höhe Telefongespräche und Funksignale abzufangen.

          Bei „Triton“ handelt es sich laut Auskunft der Bundesregierung um die „favorisierte“ Lösung. Im Rennen sei mit der Bombardier „Global 5000“ weiterhin auch ein reguläres Geschäftsflugzeug, das ähnlich der Boeing 747 (als Radarträger) die Sensortechnik aufnehmen könnte. Mit einer endgültigen Entscheidung sei nicht vor Mitte 2017 zu rechnen.

          Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Tobias Lindner, rechnet für das Aufklärungsprojekt nun mit Gesamtkosten von mindestens 1,6 Milliarden Euro, wenn die Ausgaben für die gescheiterte Entwicklung von „Euro Hawk“ hinzugerechnet würden. Gegenüber FAZ.NET warnte Lindner davor, die Lösung „Global 5000“ im Verteidigungsministerium nur pro forma zu prüfen. „Momentan sieht mir das nach einer Alibiprüfung aus“, so Lindner. Auch wenn mehr Maschinen gebraucht würden und Stehzeit und Wirktiefe der Systeme geringer wären, handele es sich um verlässliche Lösungen, die auch die Israelis derzeit prüften.

          Ein Problem bliebe der Bundeswehr, die seit Außerdienststellung des bemannten Aufklärers Bregeut Atlantique seit 2010 eine weitere Fähigkeitslücke beklagt, im Falle der Global 5000 erspart. Um die Fluglizenz für den deutschen Luftraum müsste man im Bendlerblock nicht abermals bangen.

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